Forschungsprojekt Korea
Hinweis
Ich bitte um Ihr Verständnis, dass das Forschungsprojekt Korea derzeit nicht alle aktuellen Beiträge in vollständiger deutscher Übersetzung einstellen kann. Ich bin sowohl mit dem Artikel, der dieses Projekt vorerst abschließen wird, als auch mit der Planung für meine weitere Forschung beschäftigt und werde die Übersetzungen bei Interesse zu einem späteren Zeitpunkt nachreichen.
3. April – Arbeiten? Arbeiten!
Die Vorstellungen von Sexarbeit ist bei vielen Menschen von den Darstellungen der Medien oder von Prostitutionsgegner/innen bestimmt und haben meist wenig Bezug zur Realität. Daher ist es mir eine besondere Ehre, Ihnen eine Fotoserie von Yeoni Kim präsentieren zu können, einer südkoreanischen Sexarbeiterin und Aktivistin bei Giant Girls, dem Netzwerk für die Rechte von Sexarbeiter/innen. Ich möchte mich an dieser Stelle bei Frau Kim auf das Herzlichste dafür bedanken, dass sie ihre Fotos und ihr Statement zur Verfügung gestellt hat, um Menschen – in ihren eigenen Worten – „Sexarbeiter/innen näher zu bringen“.
Bitte beachten Sie, dass die Fotos und das Statement urheberrechtlich geschützt sind und nicht unter einer Creative Commons License lizensiert sind. Das Copyright liegt bei Yeoni Kim. Bitte teilen Sie den Link zu diesem Blogeintrag mit anderen, aber unterlassen Sie bitte das Herunterladen und Publizieren der Fotos andernorts und aus dem Kontext gerissen. Ich möchte andere Blogger/innen auch bitten, diesen Eintrag nicht zu re-bloggen. Sollten Sie Yeoni Kims Arbeit mit Ihren Leser/innen teilen wollen, benutzen Sie bitte das Titelbild und verlinken Sie zu diesem Blog.
Statement der Künstlerin
Die Realität ist, dass man, wenn man kein Kunde, keine Sexarbeiterin oder kein/e Mittler/in ist, nur schwer Zugang zu den Arbeitsbereichen von Sexarbeiterinnen erlangen kann.
성노동자들이 어떠한 환경에서 어떻게 일을 하고 있는지, 구매자나 성노동자, 중개업자가 아니면 우리는 쉽게 접근할 수가 없는 것이 현실이다.
Das Geschäft, das uns die Erlaubnis gab, diese Fotos aufzunehmen, gehört zur Kategorie ‘Hyugetel’, die üblicherweise an Schildern zu erkennen sind, auf denen „College Girl Massage“ oder „Gentlemen’s Massage“ geschrieben steht.
사진 촬영을 허가한 이 업장은 ‘휴게텔’이라 분류되는 업장이며 보통 ‘여대생 마사지’, ‘남성전용 마사지’라는 간판을 달고 있다.
Der Ablauf beginnt damit, den Kunden zu waschen, Gel auf dem nackten Körper des Kunden zu verteilen, und sich dann gegen den schlüpfrigen Körper zu reiben. Das wird auch „den Körper reiten“ genannt. Nachdem das „Reiten des Körpers“ vollzogen ist, wird der Kunde gewaschen und abgetrocknet, und dann gebeten, sich auf das Bett legen. Es folgen Zärtlichkeiten und Petting vom Hals abwärts bis zu den Knien, sowohl auf der Vorder- als auch auf der Rückseite des Kunden.
손님을 씻기고, 알몸으로 손님의 몸에 젤을 발라 미끌미끌하게 부벼 주는 일명 ‘바디 타기’ 후, 다시 손님을 씻기고, 수건으로 닦아주고 침대에 뉘여 목부터 무릎까지 등판과 앞을 전부 애무한다.
Der Geschlechtsverkehr ist die letzte Stufe. Wenn der Kunde ejakuliert, wird das Kondom entfernt, der Kunde nochmals gewaschen, angezogen und verabschiedet. Die Fotos fassen den Ablauf zusammen.
그 다음 섹스가 이루어지고, 사정 후 콘돔을 정리하고 손님을 다시 씻기고 옷을 입혀 내보내는 이 과정들을 몇몇의 사진들로 축약해 보았다.
Viele Teile des Ablaufs sind in den Fotos ausgelassen worden, da es schwierig war, den Grad der Intimität nachzustellen. Die Fotos wurden aufgenommen, um verständlich zu machen, dass Sexarbeit mehr ist als „dazuliegen und die Beine zu öffnen“, und um vielleicht der Öffentlichkeit Sexarbeiter/innen näherzubringen.
노출의 강조를 어떻게 해야 할 지 고민이 되어 일하는 모습들을 생략한 부분이 많지만, 이 사진들을 통해 아주 조금은 성노동자들과 가까워지고 그들의 노동이 단지 ‘다리 벌리고 누워있는 것’ 이상임을 이해할 수 있기를 바라는 마음으로 찍어보았다.
Yeoni Kim / 김연희
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22. März – “Sexualverbrechen” oder “Sexuelle Selbstbestimmung”?
Ankündigung
An diesem Samstag, den 23. März, werde ich einen Vortrag im Rahmen des zweitägigen Symposiums „Verletzte Leben -Verwehrte Rechte. Menschenhandel im 21. Jahrhundert“ an der Humboldt Universität zu Berlin halten. Mein Vortrag trägt den Titel „Sexualverbrechen“ oder „Sexuelle Selbstbestimmung“? und behandelt aktuelle Prostitutionsdiskurse in Südkorea und ihre negativen Auswirkungen auf die Situation von Sexarbeiter/innen.
Mein Vortrag wird um 12 Uhr beginnen in einer Session des Symposiums unter dem Titel „Selbst- und Fremdbestimmung in der Sexarbeit“. Die zweite Vortragende ist Noémi Katona, die einen Vortrag halten wird mit dem Titel „Zwang, Geld und Intimität: ungarische Sexarbeiterinnen und ihre Zuhälter/Freunde in der Kurfürstenstraße“. Podcasts dieser und anderer Vorträge werden im April bereitgestellt werden.
Matthias Lehmann
„Sexualverbrechen“ oder „Sexuelle Selbstbestimmung“?
23. März 2012 – 12:00 Uhr
Festsaal der Humboldt-Universität zu Berlin
Luisenstraße 56, 10117 Berlin
„Verletzte Leben -Verwehrte Rechte. Menschenhandel im 21. Jahrhundert“
Ungeachtet der großen öffentlichen Aufmerksamkeit, die dem “Menschenhandel” gewidmet wird, bleibt die Definition des Phänomens jedoch schwierig und umstritten. Am Freitag, den 22. März und Samstag, den 23. März 2013 wird das studentische Symposium „Verletzte Leben – verwehrte Rechte. Menschenhandel im 21. Jahrhundert“ im Festsaal der Humboldt-Universität zu Berlin in der Luisenstraße 56 in Berlin-Mitte (Google Maps Stadtplan) stattfinden. Neben Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis werden Nachwuchforscherinnen und -forscher ihre Arbeit in Vorträgen und Workshop präsentieren. Das Symposium richtet sich über Fachpublikum hinaus an alle Interessierte, die mehr über das Thema erfahren möchten.
Das Symposium wird durch die Humboldt-Universitäts-Gesellschaft. Verein der Freunde, der Ehemaligen und der Förderer e.V. unterstützt. Bitte klicken Sie hier um die Webseite des Symposiums zu besuchen.
„Sexualverbrechen“ oder „Sexuelle Selbstbestimmung“?
Im Jahr 2004 wurde in Südkorea das Gesetzes gegen den Sexhandel verabschiedet. Es unterscheidet sich von seinem Vorbild, dem so genannten schwedischen Modell, insofern, als dass es nicht nur den Kauf sexueller Dienstleistungen kriminalisiert, sondern auch das Anbieten solcher Leistungen, und damit Sexarbeiter/innen selbst. 2011 wurde das Gesetz weiter verschärft, trotz lautstarker Proteste von Sexarbeiter/innen, bei denen einzelne sogar mit ihrer Selbstverbrennung drohten.
Das zuständige Ministerium erkennt Vertreter/innen der zwei Organisationen, die Sexarbeiter/innen in Südkorea vertreten, offiziell nicht an, und die Berichterstattung der Medien ist zumeist einseitig. Den Prostitutionsdiskurs dominieren daher andere, die dabei gezielt Taktiken einsetzen, um die Glaubwürdigkeit etwaiger Kritiker oder Zweifler von vorneherein zu untergraben. Dazu gehören vor allem die Vermischung von selbstbestimmter Sexarbeit mit Zwangsprostitution, Menschenhandel, Sexualverbrechen und Nationalismus. Durch diese Art des Prostitutionsdiskurses bleiben real existierende Missstände in Südkoreas Sexindustrie und die Diskriminierung von Sexarbeiter/innen in der südkoreanischen Gesellschaft ungelöste Probleme.
Matthias Lehmann verbrachte 12 Monate in Südkorea, während derer er sowohl Veranstaltungen von Prostitutionsgegnerinnen besuchte als auch Interviews mit Sexarbeit-Aktivistinnen durchführte, mit denen er weiterhin in engem Kontakt steht. Das Ergebnis ist eine Analyse des aktuellen Prostitutionsdiskurses in Südkorea und seiner negativen Auswirkungen auf die Situation von Sexarbeiter/innen.
Angesichts aktueller Strömungen in anderen Ländern die Kriminalisierung von Sexarbeit betreffend, ist Südkorea ein bedeutendes Beispiel, um sowohl die negativen Auswirkungen von Anti-Prostitutionsgesetzen auf die Menschenrechtslage von Sexarbeiter/innen aufzuzeigen, als auch ihre Unwirksamkeit bei der Bekämpfung des Menschenhandels.
3. März ☂ Internationaler Tag für die Rechte von Sexarbeiter/innen

Foto: NeonRights by Matt Lemon Photography*
3. März ☂ Internationaler Tag für die Rechte von Sexarbeiter/innen
Der 3. März gilt als der Internationale Tag für die Rechte von Sexarbeiter/innen. Der Gedenktag wurde im Jahr 2001 vom Durbar Mahila Samanwaya Komitee (DMSC) ins Leben gerufen, einem Sexarbeiter/innen-Kollektiv in Indien. Über 25,000 Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter versammelten sich zu dem Gründungsfestival, und seither wird der Gedenktag von Sexarbeiter/innen und allen, die sich mit ihnen solidarisch zeigen, international feierlich begangen.
Es gibt noch weitere Gedenktage, die das Ziel verfolgen, die Aufmerksamkeit auf die vielerorts ungenügenden Menschenrechte von Sexarbeiter/innen zu lenken und auf die Stigmatisierung, Diskriminierung und die Gewalt hinzuweisen, denen sie sich oft ausgesetzt sehen. Zwei dieser Gedenktage sind der Tag der Koreanischen Sexarbeiter/innen und der Internationale Tag zur Beendigung der Gewalt gegen Sexarbeiter/innen.
29. Juni ☂ Tag der Koreanischen Sexarbeiter/innen
An diesem Tag wurde der Nationale Tag der Solidarität der Sexarbeiter/innen ausgerufen, nachdem im Jahr 2004 das Sondergesetz gegen den Sexhandel [welches aus einem Gesetz zur Vorbeugung and einem Strafgesetz besteht] verabschiedet wurde. Seither wird an diesem Tag all der Sexarbeiter/innen gedacht, die über die Jahre hinweg zum Kampf gegen die Diskriminierung beigetragen haben.
17. Dezember ☂ Internationaler Tag zur Beendigung der Gewalt gegen Sexarbeiter/innen
Ausgerufen von Dr. Annie Sprinkle und SWOP-Gründerin Robyn Few um auf die epidemische Gewalt gegen Sexarbeiter/innen hinzuweisen, die in allen Teilen der Welt verübt wird. SWOP-USA begang den 17. Dezember als Gedenktag und Mahnwache für die Opfer des Green River Killers in Seattle, Washington, der zwischen 1982 und 1998 mindestens 71 Frauen ermordete, von denen die meisten Sexarbeiterinnen waren.
*Der rote Regenschirm
Der Rote Regenschirm als Symbol für die Solidarität mit Sexarbeiter/innen kam zum ersten Mal bei der 49. Biennale in Venedig im Jahr 2001 zum Einsatz. Italienische Sexarbeiter/innen marschierten durch die Strassen Venedigs als Teil des “Prostituierten-Pavillons” und der CODE:RED Kunstinstallation des slowenischen Künstlers Tadej Pogacar. Der Marsch der roten Regenschirme machte auf die schlechten Arbeitsbedingungen und Menschenrechtsverletzungen aufmerksam, denen Sexarbeiter/innen ausgesetzt sind. Vier Jahre später wurde der rote Regenschirm vom Internationalen Komitee für die Rechte von SexarbeiterInnen in Europa (ICRSE) als Symbol für den Widerstand gegen Diskriminierung übernommen. Seither gilt der rote Regenschirm als internationale Ikone für die Rechte von Sexarbeiter/innen auf der ganzen Welt. Er symbolisiert sowohl den Schutz vor Misshandlungen und Intoleranz, denen Sexarbeiter/innen überall ausgesetzt sind, als auch ihre Stärke.
Bitte klicken Sie hier, um den gesamten englischen Eintrag zu lesen.
1. März – Prostitutionsgesetz: Kein Anstieg der Zwangsprostitution
„Die These, ein liberales Prostitutionsgesetz führe zu mehr Menschenhandel, ist widerlegt. Im Gegenteil: Seit der Liberalisierung gab es mehr polizeiliche Aktivität und dennoch deutlich weniger Tatverdächtige, Verurteilte und Opfer. Das spricht eher dafür, dass die Herauslösung der Prostitution aus dem kriminellen Milieu zunehmend gelingt.“ - Volker Beck, MdB
Aus aktuellem Anlass möchte ich auf die Kleine Anfrage der Grünen an die Bundesregierung vom 6. Februar hinweisen, betreffs der „Auswirkungen des Prostitutionsgesetzes auf die Entwicklung beim Menschenhandel“, und auf die Antwort der Bundesregierung vom 22. Februar. Nachfolgend können Sie beide Dokumente als pdf-Dateien einsehen.
Bitte klicken Sie hier für die Kleine Anfrage der Abgeordneten Volker Beck (Köln), Monika Lazar, Ekin Deligöz, Britta Haßelmann, Ingrid Hönlinger, Memet Kilic, Dr. Konstantin von Notz, Tabea Rößner, Arfst Wagner (Schleswig) und der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.
Bitte klicken Sie hier für die Antwort der Bundesregierung. Ich bedanke mich herzlich beim Büro von Volker Beck für die umgehende Bereitstellung dieses Dokuments.
Das Prostitutionsgesetz (ProstG) können Sie auf der Seite des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend nachlesen.
Die Mitteldeutsche Zeitung veröffentlichte gestern einen Artikel zum Thema. Bitte klicken Sie auf das unten stehende Bild, um den Artikel in voller Länge zu lesen.
28. Februar – 15.000 Besucher, Tendenz steigend
Ich freue mich Ihnen mitteilen zu können, dass der Blog des Forschungsprojekts Korea vor kurzem die Zahl von 15.000 Besuchern überschritten hat.Die Besucher kamen aus insgesamt 121 Ländern, die Mehrheit von ihnen aus Nordamerika (3.482), Südkorea (3.146), Deutschland (1.958), Großbritannien (740), Indien (683), und Australien (574). Insgesamt 488 Benutzer folgen diesem Projekt via Facebook und Twitter.
Am populärsten war der Brief einer südkoreanischen Sexarbeiterin (17. Januar 2013), der bislang über 1.000 Mal abgerufen wurde. Ebenfalls viel Interesse weckte der Beitrag Sex, Lügen und Prostitutionsgegner/innen (31. Oktober 2012). Letzterer löste eine lebhafte Diskussion aus mit über 90 Kommentaren von Prostitutionsgegnerin Rebecca Mott, der Sexarbeiter-Aktivistin Norma Jean Almdovar, Präsidentin von ISWFACE und COYOTE LA, Tracey Tully vom Asiatisch-Pazifischen Netzwerk von SexarbeiterInnen (APNSW), und Forscherin Wendy Lyon (Feminist Ire), um nur einige zu nennen. Obwohl die Diskussion nun seit einigen Monaten ruht, bietet Sie Ihnen noch immer einen interessanten Einblick in diesen umstrittenen Diskurs. Einen solchen Einblick gewährt Ihnen auch meine Antwort auf Rhoda Grants Konsultationsprozess, die ich im Dezember unter dem Titel Ein selbstverschuldeter Wissensmangel (15. Dezember) veröffentlichte. Schließlich möchte ich Ihre Aufmerksamkeit noch auf die Aktualisierung der Seite Über das Projekt hinweisen, die zum Ziel hat, Fragen zu beantworten, wie sie z.B. die Sexarbeiter/innen-Organisation Maggie’s: The Toronto Sex Workers Action Project auflistet in ihrem Hinweis an Forscher, Studenten, Journalisten und Künstler, die nicht Sexarbeiter/innen sind.
Ich möchte mich gerne bei Ihnen bedanken für Ihr Interesse, das Weiterleiten meiner Updates, und Ihre Kommentare hier auf dem Blog, auf meiner Facebook-Seite und auf Twitter. Wenn Sie mein Projekt erst kürzlich kennengelernt haben, lesen Sie doch einige weitere der vorherigen Einträge.
Ich würde mich freuen, wenn Sie meine Einträge weiterhin läsen, teilten und auf sie antworteten.
Mit freundlichen Grüßen aus Berlin,
Matthias Lehmann
Links: Brandenburger Tor in Berlin | Rechts: Sungnyemun (Tor der erhabenen Feierlichkeiten) in Seoul
15. Februar – Ist Sexarbeit akzeptabel?
Dieses Video ist ein Auszug aus der koreanischen Talk-Show WITH, in der soziale und wirtschaftliche Themen diskutiert werden aus den Perspektiven von Frauen. Das Thema dieser Ausgabe war die verfassungsrechtliche Prüfung des koreanischen Gesetzes gegen den Sexhandel. Die Moderatorin ist Seung Yeon Oh, Professorin an der Korea Universität. In diesem Video spricht sie mit Yeoni Kim, einer Sexarbeiterin und Aktivistin, die der Organisation Giant Girls, Netzwerk für die Rechte von Sexarbeiter/innen, angehört. Um einem größeren Publikum zu ermöglichen, aus erster Hand etwas über die Situation von Sexarbeiter/innen in Südkorea zu erfahren, hat das Forschungsprojekt Korea eine englische Übersetzung dieses Videos veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von Yeoni Kim.
Bitte klicken Sie hier, um den gesamten englischen Eintrag zu lesen.
9. Februar – Updates in Ihrer Inbox
Update #6 ist jetzt erhältlich! Wenn Sie gerne auf meiner Verteilerliste sein möchten, hinterlassen Sie bitte einen Kommentar oder senden mir eine Email an yongsagisa [at] gmail.com. Ich kontaktiere Sie nur selten, da Sie dem Projekt größtenteils online folgen können.
8. Februar – Berlinale: Filme über Sexarbeiter/innen und die Sexindustrie
Die 63. Berlinale hat begonnen und ich möchte Sie gerne auf einige Filme hinweisen, die sich mit dem Leben von Sexarbeiter/innen oder der Sexindustrie beschäftigen. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und stellt keine Befürwortung oder Empfehlung der jeweiligen Filme dar. Für weitere Informationen sowie die Spielzeiten und -stätten klicken Sie bitte auf die Links neben den Filmtiteln.
Berlinale Special
The Look of Love (England, 2012) Link
Michael Winterbottoms Filmbiografie über Paul Raymond, den ‘König von Soho’
“Sex sells – mit dieser Devise avanciert Paul Raymond zu einem der reichsten Männer Großbritanniens. Seine Karriere beginnt er als Betreiber eines Nightclubs, dessen Darbietungen so heiß sein sollen, dass kein “wirklicher Kerl” ihnen widerstehen kann. Von den ersten Ersparnissen kauft Raymond eine Immobilie, später ganze Straßenzüge des Londoner Bezirks Soho. Zu seinem ständig wachsenden Imperium gehören Erotikmagazine und Showbühnen. Sein Bankkonto weist schließlich ein Guthaben von 650 Millionen Pfund aus. Doch dann stirbt seine geliebte Tochter Debbie mit nur 36 Jahren an einer Überdosis Heroin…
Nach 24 Hour Party People und The Trip arbeitet Regisseur Michael Winterbottom erneut mit seinem genialen Hauptdarsteller Steve Coogan zusammen und entwirft mit ihm die bizarre Welt eines Sexmaniacs. Die moderne König-Midas-Story entstand auf der Basis tatsächlicher Ereignisse um Paul Raymond, der als “King of Soho” in die britische Gesellschafts- und Skandalgeschichte einging. Auf dem schmalen Grat zwischen Komik und Tragik balancierend und mit empathischer Nähe zu seiner exzentrischen Hauptfigur, entwirft der Film ein Sittenbild aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.”
Panorama
Concussion (USA, 2012) Link
Abby ist 42, verheiratet, gut situiert, lesbisch, hat mit ihrer Frau zwei Kinder – ein echtes Familienidyll. Nachdem sie beim Spielen mit ihren Kindern durch einen Baseball am Kopf verletzt wird, kommt das ausbalancierte Arrangement aus Gym, Schule, Familie und Haushalt ins Wanken: “I don’t want this!” so ihr verzweifeltes Mantra schon auf dem Weg ins Krankenhaus. Sie beginnt ein Renovierungsprojekt in der nahen Großstadt, und verlässt schließlich nicht nur den aufgeräumten Vorort, sondern auch den vorgezeichneten Weg: Nachdem sie zweimal mit Prostituierten Sex gehabt hat, beginnt sie selbst für die vermutlich unwahrscheinlichste Zuhälterin der Filmgeschichte zu arbeiten – nur für Frauen, versteht sich.
New New Queer Cinema: die Frauen werden älter, die Themen erwachsener, aufgeräumter. Oder eben gerade doch nicht? Stacie Passons erster langer Spielfilm wurde von Rose Troche produziert, der Regisseurin von Go Fish, einem lesbischen Klassiker des New Queer Cinema und Teddy-Gewinner 1994. Eine produktive Zusammenarbeit, die, wie umgekehrt Passons Wirken als Produzentin von Troches neuestem Kurzfilm belegt, weitere gemeinsame Projekte verspricht.
Don Jon’s Addiction (USA, 2013) Link
Joseph Gordon-Levitts Satire über Sex, Erotik und Sittlichkeit
“Jon Martello ist der beste Aufreißer in der Disco und nimmt am Ende eines jeden Abends genau die Frau mit nach Hause, der seine Freunde auf einer Scala von eins bis zehn die Höchstnote verpasst haben. Doch seiner wahren Leidenschaft geht Jon erst nach, wenn seine Wochenendbekanntschaften wieder verschwunden sind. Er klappt seinen Laptop auf und gönnt sich einen Wank nach dem anderen. So weit, so gut. Doch dann zieht ihn eine junge Frau so sehr in ihren Bann, dass er ihr erlaubt, sein Leben umzukrempeln. Seine Leidenschaft für die Pornografie, sein lässiges Verhältnis in Sachen Familienkontakte, selbst sein rüder Fahrstil – all das ändert sich. Kein Wunder, denn die schöne neue Frau in seinem Leben wird von Scarlett Johansson gespielt. Sie verwandelt Jon im atemberaubenden Tempo in einen spießigen Normalbürger. Wenn da nur nicht die heimliche Pornosucht wäre – selbst nach einer atemberaubenden Nacht mit der Traumfrau. Joseph Gordon-Levitt, Hauptdarsteller und Regisseur dieser knalligen Filmsatire über Sex, Erotik, Bürgerlichkeit und all das andere Zeug, zieht alle Register der Selbstironie, bis der Held schließlich doch in den Armen einer Frau landet, die ihn liebt.”
Love Lace (USA, 2012) Link
Filmbiografie über Linda Susan Boreman alias Linda Lovelace, ehemalige Pornodarstellerin und später vermeintliche Pornographie-Gegnerin, berühmt für ihre Rolle im Hardcore-Porno Deep Throat
“1972 schlug der Film Deep Throat in den Mainstream ein und veränderte diesen entscheidend, lange vor dem Internet und der Pornografisierung der Gesellschaft. Der Porno-Chic war geboren. In sechs Tagen für 25.000 Dollar gedreht, spielte Deep Throat über sechs Millionen Dollar ein und machte seinen bis dahin unbekannten Star Linda Lovelace, die für die Rolle nur 1250 Dollar erhielt, zum Mediendarling und zum Postergirl für die sexuelle Revolution.
Als das in einer streng religiösen Familie aufgewachsene Girl-Next-Door Linda an den charismatischen Chuck Traynor gerät, beginnt für sie das Leben auf der Überholspur. Traynor erfindet ihre “sensationelle Begabung zum Oralverkehr” und wird ihr Ehemann, Manager und Zuhälter. Die naive Lovelace übernimmt freudig ihre neue Identität, entdeckt aber bald die dunklen Seiten ihres Ehemanns und der Sexindustrie. Wie schon Inside Deep Throat von Randy Barbato und Fenton Bailey im Panorama 2005 behandelt Lovelace von den beiden Oscar-Preisträgern Rob Epstein und Jeffrey Friedman die Themen Porno-Business, Drogen, Ausbeutung, Sex und Verrat und zeigt Entdeckung, Aufstieg und Fall eines Pornostars.”
Soğuk | Kälte (Türkei, 2012) Link
“In einer türkischen Kleinstadt, kurz vor der georgischen Grenze, leben Balabey und seine Familie das traditionelle Leben. Die Ehepartner werden bestimmt, das Glück ist anderswo. Balabey hat sich in seine eigene Welt zurückgezogen und übt nur bei der Arbeit eine bescheidene Form von Macht aus: Als Sergeant kann er Züge willkürlich anhalten oder die Fahrt fortsetzen lassen. Mitten im Winter, Landschaft und Häuser ruhen unter einer dichten Schneedecke, verliebt er sich in die schöne Russin Irina, die mit ihren Schwestern in einem Bordell arbeitet. Für die Männer ist das Bordell ein Ort der Wärme in der kalten Stadt, während ihre Ehefrauen über die Untreue ihrer Männer in tiefe Verzweiflung fallen. Balabeys fragiles Glück wird bald von seinem jähzornigem Bruder bedroht, der gerade die Schwester von Balabeys hochschwangerer Frau heiraten musste. Wie eine antike Tragödie entfaltet sich dieser Film, der großartige Landschaftsbilder zeigt. Mit allem, was in seiner Macht steht, will Balabey die geliebte Irina von ihrer geplanten Rückkehr nach Moskau abhalten.”
Something in the Way (Indonesia, 2013) Link
“Ahmad arbeitet als Taxifahrer in Jakarta. Er ist abhängig von dem Sex, der ihm über Porno-Magazine und Videos angeboten wird, den er sich kaufen könnte, wenn er das Geld besäße, und den er doch nur alleine vor seinem Fernseher oder beim heimlichen Masturbieren in seinem Taxi erlebt. Seiner nächtlichen Einsamkeit, unterbrochen nur von mitgehörten Gesprächen seiner Kollegen, die abfällig über Prostituierte und ihre eigenen Frauen sprechen, gegenüber stehen seine Aufenthalte in der Moschee tagsüber. Dort wird er über Reinheit, Moral und den Koran belehrt. In Ahmads Leben fällt einen Hoffnungsschimmer, als er sich in seine Nachbarin, die Prostituierte Kinar, verliebt und sie zu ihren Aufträgen chauffiert. Doch einer Beziehung steht ihr Zuhälter im Wege. Die Kollision von Sex als Produkt und Religion als moralischem Druck im modernen Jakarta verwirren Ahmad immer mehr, wünscht er sich doch nichts anderes, als Kinar und sich selbst vor dem sündigen Leben zu retten. Nachtaufnahmen, rot und grün getünchte düstere Innenräume, diffuse Straßenlichter und Fragmente von Gesichtern im Rückspiegel des Taxis begleiten ihn auf seinen immer wahnwitzigeren Fahrten durch die Stadt.”
Alle Filmstills und Inhaltsangaben © Internationale Filmfestspiele Berlin
17. Januar – Ein Brief einer südkoreanischen Sexarbeiterin
Am 16. Januar wurde ich zum dritten Mal zur Charlie Spice Show eingeladen. In dieser Ausgabe der Show wurde die Diskussion der vorherigen Sendung fortgeführt, die sich dem Thema „Vergewaltigung und Gewalt gegen Sexarbeiter/innen“ widmete.
Im Vorlauf zur Sendung hatte Hyeri Lee, eine Sexarbeiterin und Aktivistin bei Giant Girls – Netzwerk für die Rechte von Sexarbeiter/innen, einen Brief geschrieben über ihre Erfahrungen als Sexarbeiterin in Südkorea. Diesen Brief las ich mit ihrer freundlichen Erlaubnis in der Charlie Spice Show vor.
Sie können den Brief in der englischen Übersetzung entweder selbst lesen oder sich den Ausschnitt aus der Sendung anhören. Wechseln Sie dazu bitte auf den englischen Teil dieser Seite.
Hyeri Lees Brief ist eine eindrucksvolle Stellungnahme, die Ihnen einen Einblick in die Realität von Sexarbeiter/innen in Südkorea ermöglicht.
Bitte klicken Sie hier, um den gesamten englischen Eintrag zu lesen.
10. January – In unserer Nachbarschaft
Gegen Ende des vergangenen Jahres veröffentlichte eine Gruppe junger Menschen in Seoul die dritte Ausgabe von Namsangol, eines Stadtteilmagazins über Haebangchon (kurz: HBC). HBC ist ein multikultureller Bezirk im Herzen Seouls. Die Gruppe hatte mich bereits im Sommer letzten Jahres kontaktiert aufgrund meiner Fotoserie über ein kontroverses Graffiti in HBC. Im Oktober meldeten sie sich erneut und fragten mich, ob ich einen Artikel für ihr Magazin schreiben wollte. Das Ergebnis war ein autobiographischer Artikel für ihre Reihe über Menschen, die in ihrem Bezirk leben. Der Artikel wurde sowohl auf englisch als auch auf koreanisch abgedruckt. Ich nutzte die Gelegenheit, um ihre Leser mit den Problemen vertraut zu machen, denen Sexarbeiter/innen in Südkorea ausgesetzt sind.
Sie können den Artikel hier als PDF herunterladen.
Bitte klicken Sie hier, um den gesamten englischen Eintrag zu lesen.
15. Dezember – „Ein selbstverschuldeter Wissensmangel” – Mein Beitrag zu Rhoda Grants Konsultationsprozess
Am 14. Dezember war der Einsendeschluss für Teilnehmer des Konsultationsprozesses für den Gesetzesvorschlag für die Kriminalisierung des Kaufs von Sex in Schottland. Rhoda Grant, die diesen Vorschlag einbrachte, ist Mitglied des schottischen Parlaments.
Ihrer Auffassung nach ist Prostitution ausnahmslos schädlich und entwürdigend und die Nachfrage für einen Markt verantwortlich, in dem ungeschützte Individuen in einen ausbeuterischen Kreislauf genötigt oder gezwungen werden, das sie und ihre Familien gefährdet. Frau Grant glaubt auch, dass die Mehrheit aller Prostituierten diese Tätigkeit gegen ihren Willen ausführen. Aus diesem Grund hat sie eine Gesetzesvorlage eingebracht, die sich am entsprechenden schwedischen Gesetzesmodell orientiert, welches die Kunden von Sexarbeiter/innen kriminalisiert, nicht aber die Prostituierten. Frau Grant glaubt, dass das Gesetz bewirken wird, dass die Nachfrage nach käuflichem Sex und der Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung schrittweise verringert werden kann.
Einige von denen, die Frau Grant als „Opfer von Prostitution“ beschreibt, baten mich, am Konsultationsprozess teilzunehmen und dazu beizutragen, den Gesetzesvorschlag zu stoppen und den Schaden abzuwenden, den das Gesetz für Sexarbeiter/innen in Schottland auslösen würde. Da der Konsultationsprozess jeder Person offen stand, ungeachtet der Staatszugehörigkeit oder des Wohnsitzes, kam ich dieser Bitte gerne nach.
Sie können meinen Brief an Rhoda Grant hier als PDF herunterladen.
Bitte klicken Sie hier, um den gesamten englischen Eintrag zu lesen.
6. November – „Wir wissen immer noch sehr wenig.”
10 Jahre Prostitutionsgesetz (ProstG) in Deutschland
Am 19. Oktober 2012 folgte ich der Einladung der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen zu einer Diskussionsveranstaltung zum Thema „10 Jahre Prostitutionsgesetz“ im Jakob-Kaiser-Haus. In den Tagen nach der Veranstaltung nahm ich Kontakt mit den dort anwesenden Podiumsgästen auf, sowie mit einigen der Personen aus dem Publikum, die sich zu Wort gemeldet hatten, um die Richtigkeit meiner Notizen zu überprüfen. Das Ergebnis war ein umfassendes Protokoll, das nun auf dem Blog „Menschenhandel Heute“ veröffentlicht wurde.
Dieser Blog entstand durch ein studentisches Projekttutorium an der Humboldt Universität zu Berlin, initiiert und geleitet von Sonja Dolinsek, der ich herzlich danken möchte für die Hilfe bei der Korrektur des doch recht massiven Textes. Darüber hinaus fügte sie dem Text auch diverse Quellen als Verknüpfungen hinzu, um den Leserinnen und Lesern weitere Hintergrundinformationen nahezubringen. Wer sich also einen ausführlichen Einblick in die Thematik verschaffen möchte, u.a. auch zum Thema Nachbarschaft und Prostitution im Berliner Kurfürsten-Kiez, der besuche bitte den Blog Menschenhandel Heute.
“Wir wissen immer noch sehr wenig.” – 10 Jahre Prostitutionsgesetz (ProstG) in Deutschland URL
Sollten Sie Fragen stellen oder Kommentare hinterlassen wollen, können sie das entweder dort (unterhalb des Blogeintrags) oder ganz am Ende dieser Seite tun.
31. Oktober – Sex, Lügen und Prostitutionsgegner/innen
Wie Prostitutionsgegner/innen die Befürworter/innen von Rechten für Sexarbeiter/innen diffamieren
Der folgende Kommentar wurde gestern auf meinem Blog hinterlassen.
Interessieren Sie sich eigentlich auch für das Leid der Frauen, die zur Prostitution gezwungen wurden und denen es ziemlich schlecht geht? Falls ja, könnten Sie sich Folgendes mal durchlesen: Eure Rechtfertigungen bringen uns um [Beitrag in englischer Sprache]
- Sophie
Anstatt nur unterhalb des Kommentars zu antworten, entschied ich mich einen gesonderten Blogeintrag zu veröffentlichen, um die Diffamierungen zu behandeln, denen sich die Befürworter von Rechten für Sexarbeiter/innen oft ausgesetzt sehen.
Hallo Sophie,
Ich interessiere mich in der Tat auch für Zwangsprostitution, wenn auch nicht mit Ihrer scheinbaren Einschränkung auf Frauen. Den Text, den Sie mir schickten, kannte ich bereits. Auch wenn ich die persönlichen Erfahrungen der Autorin mitnichten bestreiten möchte, habe ich sowohl mit der Botschaft, die ihr Text vermitteln möchte, große Probleme, als auch mit den krassen Lügen, die sie verbreitet.
“Too much of the Left is made of male-thought, and in this thinking it not surprising that the Left has always justify the sex trade, and ignore the reality of life for the prostituted.” – Rebecca Mott
Um dem nur mal ein Beispiel entgegenzuhalten, sei hier das deutsche Prostitutionsgesetz (ProstG) erwähnt, welches von den Frauen von Bündnis 90/Die Grünen auf den Weg gebracht wurde, die mitnichten die Realität von Sexarbeiter/innen ignorierten. Das ProstG schaffte den Straftatbestand der „Förderung der Prostitution“ ab und ermöglichte, dass bessere Arbeitsbedingungen geschaffen werden konnten ohne sich strafbar zu machen.
Wenn wir schon davon reden, welche Gruppierungen welchen Diskurs bestimmen, wie wäre es dann, sich einmal anzusehen, aus welchem Spektrum die Prostitutionsgegner/innen stammen. Meinem Eindruck nach setzen sich diese mit grosser Mehrheit aus radikalen Feministinnen und Angehörigen diverser Glaubensgemeinschaften zusammen.
Es sind diese, die die Realitäten von Sexarbeiter/innen ignorieren, da sich ihre Meinungen oft ausschliesslich auf ihre Moralvorstellungen und widerlegte Forschungen stützt. Ich habe allerdings kein Problem damit, wenn jemand Sexarbeit für sich nicht als erstrebenswerten Beruf erachtet, oder wenn der- oder diejenige darüber schreibt und andere zum Nachdenken bewegen möchte. Das steht selbstverständlich jedem und jeder frei. Doch dabei belassen es Prostitutiongegner/innen nicht.
“Wenn Du protestierst, dass Du kein Opfer bist, sagen Sie, dass Du an einem falschen Bewusstsein leidest. Und wenn Du versuchst sie zu überzeugen, dass Du nicht an einem falschen Bewusstsein leidest, sagen sie: ‘Naja, dann bist Du nicht repräsentativ.’” - Pye Jacobsson, Swedish sex worker and activist URL
Der Ausdruck „prostituted“ vermittelt den Eindruck, dass Sexarbeiter/innen nicht in der Lage sind, eigene Entscheidungen zu treffen. „to be prostituted“ ist ein transitiver Begriff. Ebenso vermittelt im Deutschen der Ausdruck „sich zu prostituieren“, dass Sexarbeit keine Arbeit sein kann. Ein Bauarbeiter „bauarbeitet“ sich ja auch nicht.
“I am tired of everyone letting the left off the hook – I tired of waiting for the Left to get on board with abolition – I tired of men who Leftist making their porn stash and their consumption of the prostituted is somehow better than right-wing men who do exactly the same.” – Rebecca Mott
Mich hingegen ermüdet, dass Zwangsprostitution und Pornografie immer wieder auf’s Neue vermengt werden, und dass diejenigen, die gegen eine Kriminalisierung der Sexarbeit sind, als Befürworter von sexueller Ausbeutung dargestellt werden.
“In this post, I will speak of the many leftist cliches that have said to me, or I have read, or had fed to me by the media.” – Rebecca Mott
Ich Weiss nicht, welche Medien die Autorin konsumiert, aber ich kann ihren Eindruck nicht unterstützen, dass in den Medien eine Kampagne für die Rechte von Sexarbeiterinnen im Gange sei. Vielmehr besetzen die Prostitutionsgegner/innen meist die Debatte und machen Andersdenkende mundtot. (Siehe auch Beitrag vom 10. April über die Maischberger-Sendung, bei der die Prostitutionsgegnerin Alice Schwarzer eben die von Pye Jacobsson erwähnte Methode anwendete.)
Ein typisches Beispiel dafür ist die folgende Aussage.
“Much of the poison-speech by the Left is the language of pimps and punters – men who are not pimps and punters parrots their words without questioning. I was consumed by many Leftist punters who justify all their tortures – I had profiteers selling me who imagine they were on the Left, hell they were sexual outlaws, they were empowering women, they were model-day freedom fighters.” – Rebecca Mott
Wenn man mit Prostitutionsgegner/innen also nicht übereinstimmt, wird man als Zuhälter, Freier, Folterer, oder – wie hier – als willenloser Papagei denunziert.
“I write to the Left, for my heart is exploring with pain and grief – silence round the Left betraying the prostituted class is killing the prostituted every day.” – Rebecca Mott
Und wieder wird der Eindruck vermittelt, dass bei den Linken die Realität ignoriert würde. Ich wüsste gerne, welche Linken hier gemeint sind, aber diese zu benennen, bleibt die Autorin schuldig. Den derzeitigen Kriterien zufolge, bin ich wohl als Linker anzusehen, und ich für meinen Teil habe mehrfach den Dialog mit Prostitutionsgegner/innen gesucht, mit dem Erfolg, das versucht wurde, mich zu diffamieren, meine Darstellungen ins Gegenteil zu verzerren oder mich niederzuschreien.
“The major one is that if you unionise the sex trade, then it will be fine and dandy. I agree with unions for workers – but there we the major flaw – being embedded in the sex trade is not work, the prostituted class are not workers. They are in the conditions of slavery, of having their human rights stripped from them – they are not workers. To frame it as work, where all that need to be done putting in basic health and safety regulations, all that need to be done is to get a shop steward who go to the sex trade profiteer and speak of working rights for the prostituted. Think a little, and you will see this is nonsense.” – Rebecca Mott
In der Tat sind Gewerkschaften für Sexarbeiter/innen kein Allheilmittel. Die Idee, dass ohne solche Vertretungen nachhaltige Verbesserungen zu erreichen wären, halte ich jedoch für einen Irrglauben. Die Interessen von Sexarbeiter/innen vertreten diese am besten selbst. Zu diesen Interessen gehört übrigens sehr wohl auch die Bekämpfung von Zwangsprostitution und Gewalt. So lange wie Prostitutionsgegner/innen jedoch die Sexarbeit an sich bekämpfen, ist hier kaum ein Schulterschluss mit Sexarbeiter/innen zu erwarten. Sexarbeit ist Arbeit. Zwangsprostitution ist Zwangsarbeit.
“When there are unions for the prostituted – they always are dominated by the profiteers, punters and those who support painting the myth that the sex trade is safe.” – Rebecca Mott
Das ist schlichtweg eine Lüge. Informationen über Organisationen von Sexarbeiter/innen sind leicht einzuholen. Ich empfehle The Global Network of Sex Work Projects (NSWP) als Start.
“Unions that exist do not include the prostitute who is trapped in a brothel, do not include women in the porn that is daily torture, do not include the under-aged prostitute trapped in a room with lines of men consuming her.” – Rebecca Mott
Es ist sicherlich richtig, dass Zwangsprostitutierte in den meisten Fällen keinen Zugang zu Sexarbeiterorganisationen haben. Es ist aber auch richtig, dass Zwangsprostitutierte die Minderheit von Sexarbeiter/innen darstellen. Was ist also die Antwort? Die Organisationen von Sexarbeiter/innen, die, wie jede und jeder andere Berufstätige, ihrer Arbeit aus eigenem Antrieb nachgehen, zu diffamieren, inklusive der Dienste und Hilfen, die sie anbieten? Diese beinhalten u.a. auch Ausstiegshilfen, Beratungen bei mentalen Problemen wie z.B. dem Sexworker Burnout, oder die Möglichkeit, Verdachtsfälle von Zwangsprostitution zu melden. Klingt das abzuschaffen wie ein guter Plan?
“No, unions are not for the ordinary and average woman or girl – for those unions have no intention to stop the routine rapes, the routine beating ups, the routine throwing away of the prostituted. No, the purpose of these unions is to whitewash away all the normal male hate and violence that underpins all aspects of the sex trade.” – Rebecca Mott
Siehe oben. Über die Zielsetzungen der Organisationen von Sexarbeiter/innen kann sich jede und jeder selbst ein Bild machen. Die hier beschriebenen angeblichen Zielsetzungen sind eine dreiste Diffamierung.
“Do not back any sex trade union – they do not give a damn about the prostituted, they care about pimps and punters.” – Rebecca Mott
Diese Aussage belegt, dass der Autorin mitnichten die Rechte von Sexarbeiter/innen am Herzen liegt.
“It is a union run and controlled by managers, but more by managers who view the prostituted as goods and never as humans. Your belief in unions is killing the prostituted every day.” – Rebecca Mott
Wieder bleibt die Autorin schuldig, von welcher Gewerkschaft oder welchen Gewerkschaften sie spricht. Ihre Aussage ist eine Generalverurteilung sämtlicher Sexarbeiterorganisationen, die darauf abzielt, deren Mitglieder und deren Arbeit zu diffamieren.
Ich werde daher nicht auf jeden weiteren Abschnitt eingehen, sondern nur noch auf einige einzelne Punkte.
Sexarbeiterinnen protestieren gegen Polizei-Razzien in Seoul [Photo: AP/Lee Jin-man]
“I would see punters who had brutalise me and other prostitutes on marches, in meetings or part of liberal religions – fighting with all the might for rights and dignity of all humans.” – Rebecca Mott
Ich habe den von anderen geäusserten Verdacht, dass Sexarbeiter/innnen zur Teilnahme an Demonstrationen gezwungen wurden, gegenüber Sexarbeiterinnen in Südkorea angesprochen, die von der Autorin wohl zu diesem „linken Menschenrechtlergesocks“ gezählt würden. Keine von ihnen konnte den Verdacht bestätigen.
“That when I learnt the lesson I have never lost – these men did not fight for the dignity and rights of the prostituted foe we were not and cannot be classed as humans – we were just goods for them to use to consume and throw away.” – Rebecca Mott
Ich glaube, dass die Informationen, die ich auf meinem Blog und per Facebook veröffentlicht habe, für sich sprechen und die Darstellung „dieser Männer“ durch der Autorin widerlegen.
“We were not given access to human rights” – Rebecca Mott
Hier stimme ich zu. Die Rechte von Sexarbeiter/innen werden in der Tat oft verletzt und nur eine unaufgeregte Diskussion darüber, mithilfe welcher Massnahmen dem entgegengewirkt werden kann, wird Menschenrechtsverletzungen nachhaltig verringern. An diesen Diskussionen müssen Sexarbeiter/innen nicht nur teilnehmen – sie müssen die Protagonist/innen sein.
“Please question your Leftist views if they discard the prostituted class.” – Rebecca Mott
Eine jede und ein jeder hinterfrage ihre oder seine Ansichten, sollten sie die Rechte von Sexarbeiterinnen untergraben. Ohne diese zu gewährleisten, werden Zwangsprostitution und Gewalt in der Sexarbeit nicht effektiv bekämpft werden können.
Sex Workers’ Freedom Rally in Kalkutta, Indien [Foto: Matt Lemon Photography]
9. September – 10.000 Besucher, Tendenz steigend
Ich freue mich Ihnen mitteilen zu können, dass der Blog des Forschungsprojekts Korea gestern die Zahl von 10.000 Besuchern überschritten hat. Die Besucher kamen aus insgesamt 108 Ländern, die Mehrheit von ihnen aus Südkorea (2.289), Nordamerika (2.014), Deutschland (1.487), Indien (473), Australien (378) und Grossbritannien (351).
Ich möchte mich gerne bei Ihnen bedanken für Ihr Interesse, das Weiterleiten meiner Updates, und Ihre Kommentare hier auf dem Blog, auf meiner Facebook-Seite und auf Twitter bedanken.
Wenn Sie mein Projekt erst kürzlich kennengelernt haben, lesen Sie doch einige der vorherigen Einträge. Die populärsten waren:
6. Juli – Photos vom koreanischen Tag der Sexarbeiter/innen (siehe unten)
1. Mai – debatte.03: Ist Sexarbeit objektivierend? (siehe unten)
Sonderbericht – In der Höhle des Löwen: Ein Abend unter Prostitutionsgegnern
6. April – Forschungsprojekt Korea bei der Charlie Spice Show (siehe unten)
17. März – Sehen heißt Zweifeln (siehe unten)
A noble cause? I think not. (z.Zt. nur als englische Version)
…und das Meme: Was Leute denken, das ich tue / Was ich wirklich tue
(Für die deutsche Version bitte herunterscrollen)
Bitte verfolgen Sie mein Projekt auch weiterhin.
Freundliche Grüsse aus Seoul,
Matthias Lehmann
Auch einen Besuch wert: N Seoul Tower auf dem Namsan (Südberg)
1. September – « Blick zurück | Blick nach vorn »
Ein Blick zurück auf ein Jahr unabhängige Forschung* und ein Blick nach vorn, wo ich in der kommenden Woche ein Treffen mit koreanischen Sexarbeiterinnen und einem Künstler haben werde, um gemeinsam die Arbeit an dem geplanten Comicbuch über Sexarbeiterinnen in Südkorea zu beginnen.
Matthias Lehmann, unabhängiger Forscher aus Berlin, in seiner liebsten Bäckerei in Gyeongnidan
Das Forschungsprojekt Korea ist ein unabhängiges Projekt und keiner Universität oder Organisation angehörig. Es wird ausschließlich von mir selbst und durch begrenzte private Spenden finanziert. Bitte schreiben Sie mir, sollten Sie Fragen haben, die den Inhalt oder die Finanzierung meines Projekts, die Beiträge und audiovisuellen Medien, die ich veröffentliche, oder meine Person betreffen. Sie können darüber hinaus die Sektion Über das Projekt auf diesem Blog lesen.
28. August – Updates in Ihrer Inbox
Update #5 ist jetzt erhältlich! Wenn Sie gerne auf meiner Verteilerliste sein möchten, hinterlassen Sie bitte einen Kommentar oder senden mir eine Email an yongsagisa [at] gmail.com. Ich kontaktiere Sie nur selten, da Sie dem Projekt größtenteils online folgen können.
Ich bitte um Ihr Verständnis, daß während des Sex Workers’ Freedom Festivals kaum deutsche Beiträge eingestellt wurden. Bitte lesen Sie stattdessen die englische Version oder fordern das Update #5 per email an. Fragen oder Anmerkungen können weiterhin als Kommentar unterhalb dieses Eintrags hinterlassen werden. Vielen Dank.
25. Juli – Sex Workers’ Freedom Rally
Sexarbeiter/innen demonstrieren in Sonagachi, Indiens grösstem Rotlichtbezirk, am 4. Tag des Sex Workers’ Freedom Festivals, der Alternativen Internationalen AIDS Konferenz in Kalkutta.
Tanzeinlage von Amra Padatik, einer Organisation der Kinder von Sexarbeiter/innen aus Kalkutta, die sich gegen ihre Ausgrenzung und die stereotypen Bilder von Elend und Verfall zur Wehr setzt.
Videos: Matthias Lehmann | Matt Lemon Photography
23. Juli – Sex Workers’ Culture Festival
Kulturelle Vorführungen am zweiten Tag des Sex Workers’ Freedom Festivals in Kolkutta
22. Juli – …Giant Girls kommen überall hin! [#2]
Von links: Rituu B. Nanda (Constellation, India), Delegation from Giant Girls (Sexarbeiter/innen Organisation in South Korea), Matthias Lehmann (Research Project Korea)
Ich bitte um Ihr Verständnis, daß ich während des Sex Workers’ Freedom Festivals leider nicht über ausreichend Zeit verfügen werde, um viele Informationen in deutscher Sprache zu veröffentlichen. Bitte verfolgen Sie die Updates auf der Startseite, via Twitter und auf Facebook.
18. Juli – SWFF Impressionen
Auf der englischen Seite des Forschungsprojekt Korea können Sie jetzt ein Fotoalbum mit Bildern des DMSC Media Teams und anderen ansehen. Aufgrund des Aufbaus dieser Seite ist es mir nicht möglich, das Album hier einzustellen. Bitte klicken Sie hier um die aktuellsten Impressionen vom Sex Worker Freedom Festival anzusehen. Das Album wird ständig erweitert werden. Um diese Fotos mit den jeweiligen Beschreibungen anzusehen, besuchen Sie bitte das Fotoalbum auf Facebook.
Das Durbar Mahila Samanwaya Komitee (DMSC) ist ein Kollektiv von 65,000 Sexarbeiter/innen, das als Forum für weibliche, männliche und transgender Sexarbeiter/innen in Westbengalen fungiert.
15. Juli – XIX Internationale AIDS Konferenz Kalkutta
Überblick über das Sex Workers’ Freedom Festival in Kalkutta in englischer Sprache
Autor: Durbar Mahila Samanwaya Committee
Übernommen von India Civil Society – Enabling Voices To Be Heard
8. Juli – …Giant Girls kommen überall hin!
Bitte unterstützen Sie koreanische Sexarbeiterinnen
Giant Girls, das Netzwerk für die Rechte von Sexarbeiter/innen (성노동자권리모임 GG), hat eine Spendenaktion gestartet, um bis zu drei Mitglieder der Organisation zum Sex Worker Freedom Festival, der Alternativen Internationalen AIDS Konferenz in Kalkutta, zu senden. Bisher wurden nahezu 80% der benötigten Summe von 3.000.000 KRW (ca. €2.120) gespendet. Bitte erwägen auch Sie eine Spende, um sicherzustellen, daß koreanische Sexarbeiterinnen am Sex Worker Freedom Festival teilnehmen können.
Spenden Sie per Banküberweisung
Kontoinhaber: GG (지지 Network for Sex Workers’ Rights)
Kontonummer: 1002-842-827595
Bank: Woori Bank
SWIFT: HVBKKRSEXXX
6. Juli – Photos vom koreanischen Tag der Sexarbeiter/innen
Photoalbum: 29. Juni – Koreanischer Tag der Sexarbeiter/innen
Bitte folgen Sie dem obigen Link zu einem Album mit Fotos, die ich am 29. Juni, dem koreanischen Tag der Sexarbeiter/innen, im Yeongdeungpo Rotlichtviertel und am 1. Juli, beim Kulturfest in der Gallerie LAB39, organisiert von GG – Netzwerk für die Rechte von Sexarbeiter/innen, aufgenommen habe. Alle Fotos wurden von Sexarbeiterinnen an den jeweiligen Orten zur Veröffentlichung freigegeben.
2. Juli – Meine Freundin besitzt Menschenrechte wie Du und ich
“Ich bin keine Nutte. Ich bin Sexarbeiterin!” (links)
“Hört auf uns zu stigmatisieren und zu unterdrücken!” (rechts)
Als ich als Überschrift für dieses Foto den Titel “Rechte von Sexarbeiter/innen sind Menschenrechte!” schreiben wollte, besann ich mich auf das Gespräch mit meiner Freundin Hyeri gestern abend, in dem ich mich verhaspelte, als ich zum x-ten Mal an diesem Tag das Wort ‘성노동자’ (seongnodongja, koreanisch für ‘Sexarbeiter/in’) sagen wollte. Als ich dann zu ihr meinte, daß ich es ohnehin nicht richtig finde, immer und immer wieder diesen Ausdruck zu benutzen, wenn ich über Freunde rede, stimmte sie mit mir vollends überein und äußerte, daß sie einfach als Mensch wahrgenommen werden möchte, und nicht allein als Sexarbeiterin. Oder reden Sie ihre Freunde immer mit deren Berufsbezeichnungen an?
29. Juni – Tag der Sexarbeiter/innen in Korea
☂
8. Nationaler Tag der Solidarität der Sexarbeiter/innen
29.6. ☂ Tag der Sexarbeiter/innen – Kulturfestival & Potluck Party
Sonntag, 1. Juli 2012
@ Mullae Arts Village | Project Space LAB 39
BEGINN/14 Uhr – ENDE/19 Uhr (Zeit geändert!)
Die Veranstaltung findet statt, um den Tag der Sexarbeiter/innnen zu feiern, und um die Menschenrechtslage marginalisierter Gesellschaftsgruppen zu diskutieren, darunter auch Sexarbeiter/innen die von der Gesellschaft unterdrückt werden. Es wird auch eine Potluck Party geben. Bitte bringt 1-2 Essensportionen mit, wenn Ihr daran teilnehmen möchtet.
Nachricht von Giant Girls – Netzwerk für die Rechte von Sexarbeiter/innen
Feiert Ihr gerne? Dann kommt am 1. Juli zum Project Space LAB 39! Um den koreanischen Tag der Sexarbeiter/innen zu feiern, hat Giant Girls eine kleine Party organisiert.
Der Dresscode ist „Blume“. Wenn Ihr keine blumige Kleidung besitzt, tragt bitte Blumen im Haar.
Da es eine Potluck Party geben wird bringt bitte etwas zu essen mit! Diejenigen, die teilnehmen möchten, sollten genügend zu essen für eine Person mitbringen.
Giant Girls wird Canapés, Salate, Reisbällchen und vieles mehr vorbereiten. Alles ist willkommen, Kekse, Früchte usw. (Es gibt keine Läden nahe des LAB 39. HomePlus an der U-Bahnstation Mullae ist der am nächsten gelegene Ort, wo Ihr etwas zu essen einkaufen könnt.)
Programm – Eine Mischung aus Aktivitäten zum Ansehen und Mitmachen und vielen spannenden Geschichten!
- Fotoausstellung: Arbeit und Alltag von Sexarbeiter/innen
- Ausstellung über die Sexarbeiter-Bewegung und diverse andere Themen
- Modeschau: Holbok (Sexarbeiter/innen Outfits)
- Gespräche, Tanz, Poesie und Romanvorträge und vieles mehr…
Kommt vorbei! Wir möchten Euch alle gerne wiedersehen, insbesondere diejenigen, die wir schon lange nicht mehr gesehen haben!
Was hat es mit dem 29. Juni auf sich?
An diesem Tag wurde der Nationale Tag der Solidarität der Sexarbeiter/innen ausgerufen, nachdem im Jahr 2004 das Sondergesetz gegen den Sexhandel [welches aus einem Gesetz zur Vorbeugung and einem Strafgesetz besteht] verabschiedet wurde. Seither feiern wir diesen Tag als Tag der Sexarbeiter/innen, um all den Sexarbeiter/innen zu gedenken, die über die Jahre hinweg zum Kampf gegen die Diskriminierung beigetragen haben.
24. Juni – Update #3 | Ich geh’ dahin wo der Pfeffer wächst
Erfolgreich angemeldet!
In dieser Woche erhielt ich die Nachricht vom Durbar Mahila Samanwaya Kommittee (DMSC), Mit-Veranstalter des Sex Worker Freedom Festivals, daß ich bei der Konferenz herzlich willkommen sei! Wie genau ich an der Konferenz teilnehmen werde, ist noch nicht gänzlich geklärt, und die Beantragung des Visums scheint ein wenig kompliziert, da ich ein deutscher Staatsangehöriger mit einem nicht-permanenten Wohnsitz in Südkorea bin. Aber das Entscheidende ist: ich werde dorthin gehen, wo der Pfeffer wächst, und ich möchte diese Gelegenheit nutzen, und mich bei allen für die großartige Unterstützung zu bedanken, sowohl die moralische als auch die finanzielle. Ich bin immer wieder aufs Neue beeindruckt von Ihnen und werde mein Bestes geben tun, das in mich gesetzte Vertrauen zurückzuzahlen.
Die Spendenaktion wird bis auf weiteres weitergeführt, da ich noch immer Mittel für die allernotwendigsten Dinge des täglichen Bedarfs (Verpflegung und Transport) während meines Aufenthalts benötige. Wenn Sie dabei mithelfen möchten, klicken Sie bitte auf DONATE NOW!
Durbar Mahila Samanwaya Kommittee
‘Durbar’ ist ein bengalisches Wort, das ‚unbezwingbar‘ oder ‚nicht aufzuhalten‘ bedeutet. Das Durbar Mahila Samanwaya Kommittee vertritt 65.000 Sexarbeiter/innen in Indien (Männer, Frauen und Transsexuelle), und engagiert sich, um grundlegende gesellschafts-strukturelle Faktoeren zu identifizieren und anzufechten, die die Fortsetzung der Stigmatisierung, materiellen Benachteiligung und gesellschaftlichen Ausgrenzung bewirken. Für weitere Informationen über DMSC klicken Sie bitte here.
Wußten Sie schon…? Im Jahr 2001 bestimme das Durbar Mahila Samanwaya Kommittee den 3. März als Internationalen Tag für die Rechte von Sexarbeiter/innen.
Weitere Informationen entnehmen Sie bitte den vorhergehenden Einträgen.
[1] 12. Juni – Update #2 | Wo der Pfeffer wächst | Ziel fast erreicht
[2] 16. Mai – Update | Wo der Pfeffer wächst | Spendenaufruf bei 20%*
[3] 16. Mai – Sex Worker Freedom Festival | IAC 2012
[4] 5. Mai – Schickt mich dahin wo der Pfeffer wächst – nach Indien!
[5] 3. März ☂ Internationaler Tag für die Rechte von Sexarbeiter/innen
Klicken Sie auf die Banner für weitere Informationen
Das Sex Worker Freedom Festival ist eine offizielle Veranstaltung der Internationalen AIDS Konferenz 2012 (IAC12), unterstützt vom Sexual Health and Rights Program der Open Society Foundation, UNAIDS, dem Ministerium für auswärtige Angelegenheiten der Niederlande, UNFPA, HIVOS, AIDS Fonds und dem AIDS 2012 Konferenz-Sekretariat.
16. Juni – Gleiche Rechte
‘Gleiche Rechte’ wurde im Rahmen des europäischen Projektes INDOORS produziert, um sich für die Rechte von Sexarbeiter/innen einzusetzen. Das Video wurde mit und für SexarbeiterInnen entwickelt, um darauf aufmerksam zu machen, daß Sexarbeit Arbeit ist und, dass für Sexarbeiter/innen die gleichen Rechte gelten sollten wie für alle anderen Arbeiter/innen. INDOORS, ein Zusammenschluss von neun Organisationen in neun EU-Ländern, verfolgt das Ziel, Sexarbeiter/innen zu unterstützen und zu stärken.
Der Film liegt in 17 Sprachen vor. http://www.youtube.com/user/indoorsproject
Unterstützen Sie Sexarbeiter/innen. Verbreiten Sie den Film. Sexarbeit ist Arbeit!
Konzept: Andreea Muscurel, Laura Serrano De Pedro, Dennis van Wanrooij; Videoproduktion: Andreea Muscurel; Musik: Sérgio Alves
‘Gleiche Rechte’ wurde produziert mit finanzieller Unterstützung des Programms Daphne III der Europäischen Kommission. For nähere Informationen über Daphne III, klicken Sie bitte hier.
12. Juni – Update #2 | Wo der Pfeffer wächst | Ziel fast erreicht
Unterkunft? OK! Flugtickets? OK! Visa-Gebühr? OK!
Ein grosszügiger privater Spender hat sich bereit erklärt, die Kosten für meine Flüge zwischen Seoul und Kalkutta zu übernehmen, damit ich an der Alternativen Internationalen AIDS Konferenz, genannt das Sex Worker Freedom Festival, teilnehmen kann. Ein Kollege in Kolkata lud mich ein, während meines Aufenthalts bei ihm zu übernachten, und die Spenden, die ich bisher erhalten habe, decken auch meine Visagebühren (ca. €50) und einen Teil der täglichen Kosten.
Wenn Sie mir helfen möchten, mein Spendenziel zu erreichen und mich nach Indien zu schicken, klicken Sie bitte auf DONATE NOW!
Weitere Informationen entnehmen Sie bitte den vorhergehenden Einträgen.
[1] 16. Mai – Update | Wo der Pfeffer wächst | Spendenaufruf bei 20%*
[2] 16. Mai – Sex Worker Freedom Festival | IAC 2012
[3] 5. Mai – Schickt mich dahin wo der Pfeffer wächst – nach Indien!
Klicken Sie auf die Banner für weitere Informationen
Das Sex Worker Freedom Festival ist eine offizielle Veranstaltung der Internationalen AIDS Konferenz 2012 (IAC12), unterstützt vom Sexual Health and Rights Program der Open Society Foundation, UNAIDS, dem Ministerium für auswärtige Angelegenheiten der Niederlande, UNFPA, HIVOS, AIDS Fonds und dem AIDS 2012 Konferenz-Sekretariat.
12. Juni – Forschungsprojekt Korea auf MixCloud
Ab sofort können Sie sich alle Audio-Dateien des Forschungsprojekts Korea auf MixCloud anhören und Updates abonnieren!
http://www.mixcloud.com/ResearchProjectKorea/
16. Mai – Update | Wo der Pfeffer wächst | Spendenaufruf bei 20%*
Es ist offiziell. Am 13. Mai habe ich mein Anmeldeformular und einen Seminar-Vorschlag eingereicht für die Alternative Internationale AIDS Konferenz in Kalkutta, genannt das Sex Worker Freedom Festival.
Mein Spendenaufruf steht derzeit bei 20%. Wenn Sie mithelfen möchten, mich nach Indien zu schicken, klicken Sie bitte auf DONATE NOW auf dieser Seite!
Diskussion über Standards für Sexarbeit-Forschung von Nicht-Sexarbeiter/innen
Um auf die Situation von Sexarbeiter/innen in Südkorea hinzuweisen, und um eine Diskussion darüber zu initiieren, auf welche Art und Weise Nicht-Sexarbeiter Forschung mit Sexarbeiter/innen durchführen sollten, und welche Themen Sexarbeiter/innen untersucht sehen wollen, habe ich einen Seminar vorgeschlagen mit dem Titel “Forschungsprojekt Korea: Eine Diskussion über Standards für Sexarbeit-Forschung von Nicht-Sexarbeiter/innen”.
*Erläuterung
Ein Kollege in Kolkata lud mich ein, während meines Aufenthalts bei ihm zu übernachten; daher benötige ich ausschliesslich eine Unterstützung für meine Flug- und Visakosten sowie für die allernotwendigsten Dinge des täglichen Bedarfs (Gesamtkosten ca. € 1.160)
Bitte beachten Sie: Forschungsprojekt Korea veröffentlicht keinen Rechenschaftsbericht. Alle Spenden geschehen auf Vertrauensbasis. Sollte ich mein Spendenziel verfehlen, wird Ihre Spende zur Finanzierung anderer Kosten des Projekts in Südkorea verwandt. Alle Spenden von Sexarbeiter/innen werden erstattet.
Weitere Informationen entnehmen Sie bitte den vorhergehenden Einträgen.
[1] 16. Mai – Sex Worker Freedom Festival | IAC 2012
[2] 5. Mai – Schickt mich dahin wo der Pfeffer wächst – nach Indien!
Das Sex Worker Freedom Festival ist eine offizielle Veranstaltung der Internationalen AIDS Konferenz 2012 (IAC12), unterstützt vom Sexual Health and Rights Program der Open Society Foundation, UNAIDS, dem Ministerium für auswärtige Angelegenheiten der Niederlande, UNFPA, HIVOS, AIDS Fonds und dem AIDS 2012 Konferenz-Sekretariat.
16. Mai – Sex Worker Freedom Festival | IAC 2012
Video über die Alternative AIDS Konferenz in Kalkutta (in englischer Sprache)
Das Sex Worker Freedom Festival ist eine offizielle Veranstaltung der Internationalen AIDS Konferenz 2012 (IAC12), unterstützt vom Sexual Health and Rights Program der Open Society Foundation, UNAIDS, dem Ministerium für auswärtige Angelegenheiten der Niederlande, UNFPA, HIVOS, AIDS Fonds und dem AIDS 2012 Konferenz-Sekretariat.
21. bis 26 Juli 2012 | Swabhumi, Kalkutta, Indien
Aufgrund von Einreisebeschränkungen in den USA können und wollen viele Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter nicht an der IAC in Washington teilnehmen. Das Sex Worker Freedom Festival ist eine Alternativ-Veranstaltung für Sexarbeiter/innen und ihre Verbündeten, um gegen ihren Ausschluss zu protestieren und ihnen Gehör zu verschaffen.
Das Programm des Festivals wirft einen Blick auf die Freiheiten und Rechte, die allen Menschen zustehen.
- Recht zu reisen und zu migrieren;
- Recht auf qualitativ hochwertige Gesundheitsfürsorge;
- Recht auf Arbeit und freie Berufswahl;
- Recht auf Versammlungsfreiheit und sich gewerkschaftlich zu organisieren;
- Schutz vor gesetzlicher Willkür und Recht auf Gleichheit vor dem Gesetz;
- Schutz vor Missbrauch und Gewalt; und
- Schutz vor Stigma und Diskriminierung.
Konferenz mit 9,5 Stunden Zeitversatz zwischen Kalkutta und Washington
Das Programm in Kalkutta wird täglich zwischen 12 Uhr 30 und 22 Uhr 30 stattfinden und sich somit für jeweils 5 Stunden mit den Veranstaltungen in Washington überschneiden. Es wird eine Videoleitung zwischen den Sitzungen der Konferenzen und zum Global Village geben.
Anmeldefrist für das Sex Worker Freedom Festival ist der 30. Juni 2012.
Anmeldeformulare sind auf der Webseite des Global Network Of Sex Work Projects (NSWP) erhältlich. Alternativ können Sie es auch hier in der Sprache Ihrer Wahl herunterladen. (siehe unten)
Anmeldeforumulare für das Sex Worker Freedom Festival
English, 简体中文, Français, Русский, Español
5. Mai - Schickt mich dahin wo der Pfeffer wächst – nach Indien!
Ich plane nach Indien zu reisen, wo nicht nur der Pfeffer wächst, sondern vom 21. bis 27. Juli auch das Sex Worker Freedom Festival stattfindet, gleichzeitig mit der 19. Internationalen AIDS Konferenz (IAC 2012) in Washington.
Video-Link zwischen Kolkata und Washington
Aufgrund von Einreisebeschränkungen in den USA können und wollen viele Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter nicht an der IAC in Washington teilnehmen. Das Sex Worker Freedom Festival ist eine Alternativ-Veranstaltung für Sexarbeiter/innen und ihre Verbündeten, um gegen ihren Ausschluss zu protestieren und ihnen Gehör zu verschaffen. Während der 5 Stunden, in der sich die beiden Konferenzen täglich überschneiden werden, wird es Video-Links zwischen den Verstanstaltungen in Kolkata und Washington geben.
Das Sex Worker Freedom Festival ist eine offizielle Veranstaltung der Internationalen AIDS Konferenz 2012 mit Unterstützung der folgenden Organisationen: Open Society Foundation – Sexual Health and Rights Program, UNAIDS, Dutch Ministry of Foreign Affairs, UNFPA, HIVOS, AIDS Fonds and AIDS 2012 conference secretariat. Für weitere Informationen klicken Sie bitte auf den jeweiligen Banner.
Globales Netzwerk
Ich plane an der Konferenz teilzunehmen, um von der Situation der Sexarbeiterin/innen in Südkorea zu berichten und um meine Kontakte in der globalen Bewegung für die Rechte von Sexarbeiter/innen weiter zu stärken.
Obwohl ich von mehreren Sexarbeiter/innen ermutigt wurde, die Konferenz zu besuchen, möchte ich mich nicht für Mittel bewerben, die für Sexarbeiter/innen vorgesehen sind, da vielen die Teilnahme an dieser Konferenz u.a. durch die oben erwähnten Umstände bereits genügend erschwert wird.
Schicken Sie mich nach Indien!
Wenn Sie mein Projekt mit einer Spende unterstützen und mich zum Sex Worker Freedom Festival, der Alternativen AIDS Konferenz 2012, in Kolkata schicken möchten, klicken Sie bitte auf DONATE NOW in der rechten Menüleiste oder informieren Sie sich unter Support Us. Ein Kollege in Kolkata lud mich ein, während meines Aufenthalts bei ihm zu übernachten; daher benötige ich ausschliesslich eine Unterstützung für meine Flug- und Visakosten sowie für die allernotwendigsten Dinge des täglichen Bedarfs (Gesamtkosten ca. € 1.160)
Bitte beachten Sie: Forschungsprojekt Korea veröffentlicht keinen Rechenschaftsbericht. Alle Spenden geschehen auf Vertrauensbasis. Sollte ich mein Spendenziel verfehlen, wird Ihre Spende zur Finanzierung anderer Kosten des Projekts in Südkorea verwandt.
4. Mai – Zweite Einladung zur Charlie Spice Show
Tausendsassa und ehemaliger Sexarbeiter Charlie Spice hat mich zum zweiten Mal in die Charlie Spice Show eingeladen. Gemeinsam mit Maxine Doogan, Gründerin der Erotic Service Providers Union (Gewerkschaft der Erotischen Dienstleistenden) sprachen wir über die Rhetorik von Prostitutionsgegner/innen, Probleme von Forschung über Sexarbeit, und die bevorstehende Alternative Internationale AIDS Konferenz 2012 für Sexarbeiter/innen und ihre Verbündeten, genannt das Sex Worker Freedom Festival.
Für nähere Informationen über die Charlie Spice Show klicken Sie bitte hier. Die Charlie Spice ist eine Radiosendung mit Hörerbeteiligung. Wenn Sie in einer der nächsten Sendungen an der Diskussion teilnehmen möchten, fügen Sie einfach ‘charliespice’ zu Ihren Skype-Kontakten hinzu oder rufen Sie an unter +1 347-855-8239.
Klicken Sie hier, um die Sendung in ihrem Standardplayer anzuhören oder hier, um die Sendung als Podcast herunterzuladen.
Alternativ können Sie die Sendung auch hier anhören.
Desweiteren können Sie noch den Beitrag zu meinem ersten Auftritt bei der Charlie Spice lesen. (siehe unten)
[1] 6. April – Forschungsprojekt Korea bei der Charlie Spice Show
1. Mai – debatte.03: Ist Sexarbeit objektivierend?
Debatte mit Norma Jean Almodovar
Aktivistin für die Rechte von Sexarbeiter/innen
Ich bitte um Verständnis, dass dieser Eintrag aus Zeitgründen vorerst nicht übersetzt werden kann. Bitte lesen Sie Frau Almodovars Beitrag im englischen Original.
Bitte klicken Sie hier um an der Diskussion teilzunehmen!
10. April – Fernsehdebatte über die Abschaffung der Prostitution
Am 13. März strahlte der öffentlich-rechtliche Fernsehsender ARD die Sendung “Ob Billigsex oder Edelpuff: Schafft Prostitution ab!“ aus in der Reihe “Menschen bei Maischberger”, einer Talkshow mit Gastgeberin Sandra Maischberger. Die Gäste waren Alice Schwarzer, Gründerin und Herausgeberin des politischen Frauenmagazins EMMA, die Sexarbeiterin Kyra Kim, Prostitutionsgegnerin Sabine Constabel vom Sozialdienst für Prostituierte Stuttgart, Volker Beck, der menschenrechtspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion der Grünen, und Jürgen Rudloff, Unternehmer und Besitzer eines FKK-Clubs, in dem Sexarbeiterinnen selbständig arbeiten können. Als Überraschungsgast präsentierte Frau Maischberger Regina Braun, eine Frau deren Ehemann ihr mehrere Bordellbesuche gestanden hat. Mehr über die Gäste können Sie hier erfahren.
Nach der Sendung, und nachdem Alice Schwarzer einen Artikel mit dem sarkastischen Titel „Vom Glück sich zu prostituieren“ veröffentlichte, entwickelten sich erhitzte Debatten auf der offiziellen Webseite und der Facebook-Seite des EMMA-Magazins. Auf der Facebook-Seite wurden Kommentare von Sexarbeiter/innen und Andersdenkenden kurzerhand gelöscht, obwohl sie höflich und sachlich formuliert waren und zum Dialog einluden. Entgegen meinen Erwartungen, wurden meine Kommentare veröffentlicht, obwohl ich in Anbetracht der Sicherheit von Sexarbeiter/innen Partei für die Entkriminalisierung der Sexarbeit ergriff.
Der Artikel und die nachfolgende Leserdiskussion zeigte, dass viele der Leser nicht an Fakten interessiert waren. Dem „grünen Lackel“ Volker Beck empfahl eine Leserin „einen Satz heißer Ohren“ zu verpassen und einen wünschte sich einen „Eimer Kuhshit auf den falschen Anstand“. Dabei war es Volker Beck gewesen, der trotz ständiger Unterbrechungen von Alice Schwarzer stichhaltige Fakten präsentiert hatte. Andere wiederholten unablässig, dass sie Prostitution für unmoralisch hielten, blieben jedoch jedwede Antwort schuldig auf Fragen über die verminderte Sicherheit von Sexarbeiter/innen in Ländern, die Teilaspekte oder das gesamte Spektrum der Prostitution kriminalisierten.
Ein einziger Leser äußerte, dass, obwohl er selbst aus grundsätzlichen Erwägungen ein entschiedener Prostitutionsgegner sei, nur weitere Informationen und Diskussionen bei der Entscheidungsfindung über zukünftige Gesetze helfen könnten. Für meinen Beitrag zur Diskussion dankte er mir und wünschte alles Gute für meine Forschung. Ich schließe diese kurze Zusammenfassung der Ereignisse mit den Worten des Autors Dan Gardner. „Man muss nicht zustimmen. Man muss aber lesen.“
Hinweis: Sie können die noch aktiven Diskussionsfäden lesen, indem Sie die jeweiligen Verknüpfungen im Text anklicken.
8. April – debatte.02: Hat die Legalisierung von Sexarbeit einen Anstieg der Zwangsprostitution zufolge?
Nehmen Sie an der Diskussion teil!
Zum zweiten Mal lud ich einen Bekannten ein, eine private Konversation öffentlich fortzuführen. Matt Stearner ist ein Doktorand im Fachbereich Soziologie an der staatlichen Universität Ohio.
Matt und ich sprachen über eine Diskussion über die Legalisierung von Sexarbeit, die er mit einem Freund geführt hatte. Ich fragte ihn, ob er damit einverstanden wäre, die Diskussion auf der Facebook-Seite vom Forschungsprojekt Korea fortzusetzen, damit sich andere daran beteiligen könnten, und er stimmte bereitwillig zu.
Bitte klicken Sie hier, um an der Diskussion teilzunehmen!
Hinweis: Sie können die Diskussion auf Facebook verfolgen, auch wenn Sie selbst kein Facebook-Konto haben. Sollten Sie an der Diskussion teilnehmen, sich aber nicht bei Facebook registrieren wollen, können Sie stattdessen einen Kommentar auf diesem Blog hinterlassen (siehe Seitenende). Ich werde Ihren Kommentar dann dem Diskussionsfaden hinzufügen. Ein Teil der Diskussion findet auch auf diesem Blog statt, in den Kommentaren unter der englischen Version dieses Updates. Klicken Sie hier, um diesen Diskussionsfaden zu verfolgen.
6. April – Forschungsprojekt Korea bei der Charlie Spice Show
Am vergangenen Donnerstag wurde ich zur Charlie Spice Show eingeladen, um mit Douglas Fox und Sarah Walker sowie unserem Gastgeber Charlie Spice über Sexarbeit, Sexarbeiter und die Sexindustrie zu diskutieren.
Während der Diskussion über die Entkriminalisierung von Sexarbeit, den Einfluss von radikalen Feminist/innen auf Prostitutionsgesetze oder die globale Bewegung für die Rechte von Sexarbeiter/innen wurde mir auch ausreichend Zeit gegeben, den Zuhörern auf aller Welt sowohl die Menschenrechtssituation der Sexarbeiter/innen in Südkorea nahezubringen, als auch von den Protesten zu berichten, die koreanische Sexarbeiter/innen seit der Verabschiedung des Anti-Sexhandelsgesetzes im Jahr 2004 organisieren.
Charlie Spice Show – Sex Work, Sex Workers and the Sex Industry [14:10]
Bitte klicken Sie auf den Play-Button um Ausschnitte der Charlie Spice Show anzuhören.
Gastgeber
Charlie Spice ist Talkshow-Moderator, Autor und fungiert als Berater in der Sexindustrie mit Wohnsitzen in Barbados und London. Charlie verfügt über 26 Jahre Erfahrung als Sexarbeiter in sämtlichen Bereichen der Industrie in den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Europa und in der Karibik. 2006 setzte er sich zur Ruhe und nutzt seither seine Kenntnisse, um Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs), Regierungsorganisationen, sowie Gesundheits- und HIV/AIDS-Organisationen zu beraten oder um an Universitäten Vorträge zu halten.
Gäste
Douglas Fox ist ein britischer Sexarbeiter und Aktivist für die Rechte von Sexarbeiter/innen. Darüberhinaus ist er einer der Publizisten des Sexindustrie-Blogs Harlot’s Parlour (lit. Huren-Salon).
Sarah Walker, ebenfalls aus Großbritannien, ist Sprecherin des English Collective of Prostitutes (Englisches Kollektiv für Prostituierte), das für die Sicherheit von Frauen und die Entkriminalisierung der Prostitution kämpft.
Matthias Lehmann ist ein unabhängiger Forscher aus Deutschland und Initiator des Forschungsprojekts Korea.
Zum Ende der Sendung schloss sich auch noch Peter W. Wickham aus Barbados der Diskussion an. Er ist der Direktor des Caribbean Development Research Services (Karibisches Entwicklungsforschunginstitut), einem Forschungsinstitut, das soziale und politische Umfragen und damit verknüpfte Forschungen in der Karibik ausführt.
Charlie Spice Show
Die Charlie Spice Show ist eine neue wöchentliche Talk-Show im Internet, bei der die Gäste und die Zuhörer live und interaktiv in offenen Diskussionen teilnehmen können über kontroverse Themen im Zusammenhang mit Sexarbeit, Sexarbeiter/innen und der Sexindustrie. Es ist eines der erklärten Ziele der Sendung, Themen zu beleuchten, die andernorts marginalisiert, ignoriert oder unter den Teppich gekehrt werden aufgrund moralistischer Ansichten, politischem Kalkül und Scheinheiligkeit.
Ziel ist es auch einen eingehenden und unverzerrten Blick auf schwierige Angelegenheiten zu werfen, um gemeinsam die Wahrheit über die tabuisierte Sex-Industrie zu enthüllen, jenseits von Vermutungen, falschen Vorstellungen, Lügen, Mythen, Klischees und Heuchelei. Die Sendung wird den Zuhörern ausserdem einen Einblick in den Mechanismus und die Dynamik der Sex- und Unterhaltungsbranche zu gewähren.
Die Charlie Spice Show bietet allen in der Sex-Industrie agierenden Menschen und Organisationen eine öffentlichkeitswirksame Plattform, auf der sie ihre Meinungen äußern, ihre Veranstaltungen ankündigen, oder ihre Produkte und Dienstleistungen bewerben können.
Charlie Spice Show – Sex Work, Sex Workers and the Sex Industry [80:40]
Bitte klicken Sie auf den Play-Button um die Sendung in der gesamten Länge anzuhören oder auf den Pfeil im rechten Menü, um sie als mp3-Datei herunterzuladen (37mb).
Call-in Show
Das eRadio Broadcast Network, das die Charlie Spice Show produziert und sendet, verfügt weltweit über 60,000 Zuhörer.
Die Charlie Spice Show ist live und interaktiv. Zuhörer können an den Diskussionen teilnehmen und Charlie und seinen Gästen Fragen stellen oder Ihre Meinung mitteilen. Zuhörer können im Studio entweder unter +1 347 855 8239 oder via skype anrufen, oder auch Kommentare im Chat hinterlassen.
Weitere Information unter Charlie Spice Show.
3. April – debatte.01: Können Anti-Menschenhandels-Aktivisten und Sexarbeiter-Aktivisten ihre Kräfte vereinen?
Nehmen Sie an der Diskussion teil!
Nach einer längeren privaten Konversation lud ich meinen Freund Paul ein, unser Gespräch öffentlich fortzuführen. Paul ist Mitarbeiter einer authentischen Anti-Menschenhandels-Organisation, die tatsächlichen Opfern sexueller Ausbeutung hilft, indem sie ihnen eine Schulausbildung, berufsbildende Maßnahmen und langzeitige Erwerbs- und Weiterentwicklungsmöglichkeiten anbietet.
Wir unterhielten uns über die Kontroverse um das umstrittene Online-Portal ‘Backpage‘ und nachdem wir uns jeweils mehrere längeren Nachrichten geschickt hatten, fragte ich ihn, ob er damit einverstanden wäre, die Diskussion auf der Facebook-Seite vom Forschungsprojekt Korea fortzusetzen, damit sich andere daran beteiligen könnten, und er stimmte bereitwillig zu.
Bitte klicken Sie hier, um an der Diskussion teilzunehmen!
Hinweis: Sie können die Diskussion auf Facebook verfolgen, auch wenn Sie selbst kein Facebook-Konto haben. Sollten Sie an der Diskussion teilnehmen, sich aber nicht bei Facebook registrieren wollen, können Sie stattdessen einen Kommentar auf diesem Blog hinterlassen (siehe Seitenende). Ich werde Ihren Kommentar dann dem Diskussionsfaden hinzufügen.
1. April – “Rechtschaffene Frauen benötigen unsere Hilfe, anschaffende Frauen gehören bestraft”
James Turnbull hat freundlicherweise einen Gastbeitrag über das Forschungsprojekt Korea auf seinem populären Blog The Grand Narrative veröffentlicht.
The Grand Narrative behandelt Aspekte der koreanischen Gesellschaft durch Gender-Analysen z.B. der Werbung oder der Popkultur. Innerhalb der letzten fünf Jahre ist dieser Blog zu einer führenden Quelle für diese Themen geworden, auf die u.a. auch das TIME Magazine, die Washington Post, BUST und Jezebel aufmerksam geworden sind. James Turnbull ist ein gefragter Redner, der häufig Vorträge an Universitäten in Korea und im Ausland hält.
Klicken Sie hier um die Webseite von The Grand Narrative zu besuchen oder hier für die entsprechende Facebook-Seite. Das gesamte Forschungsteam bedankt sich herzlich bei James Turnbull für seine Unterstützung des Forschungsrojekts Korea.
Sie können den Gastbeitrag auch auf dieser Seite lesen. Ich bitte um Verständnis, dass der Beitrag nicht in deutscher Sprache vorliegt. Ich empfehle insbesondere den Absatz über das geplante Comicbuch zu lesen (“Graphic Novel about Sex Work”).
28. März – Forschungsprojekt Korea benötigt Ihre Unterstützung!
Das Forschungsprojekt Korea begann im September 2011. Durch zwei Spendenaufrufe im Juli und Oktober letzten Jahres wurden insgesamt €1.650 von privaten Spendern eingenommen. Allen Spenderinnen und Spendern sei an dieser Stelle nochmals herzlich gedankt.
Aufgrund mehrerer Umstände musste der Zeitplan des Projekts wiederholt verändert werden. Dazu gehörten u.a. Umbesetzungen innerhalb des Forschungsteams und ein extremer Kälteeinbruch, sowie der aktuelle Anstieg von Polizeieinsätzen in der Prostituierten-Szene, infolgedessen Interviews mit Sexarbeiter/innen nur unter besonderen Bedingungen und mit viel Geduld zu organisieren sind.
Budget ››
Das Forschungsprojekt Korea ist ein unabhängiges Projekt und keiner Universität oder Organisation angehörig. Es wird ausschließlich durch private Spenden finanziert. Jede Unterstützung, sei es durch Kommentare oder Spenden, ist herzlich willkommen. Die monatlichen Kosten des Forschungsprojekts belaufen sich auf ca. €660 | US$880 | £550 | ₩ 1,000,000. Das Projekt wird voraussichtlich im September beendet werden.
Da das Forschungsprojekt Korea unabhängig ist, konnte kein Forschungsvisum für Herrn Lehmann beantragt werden, weswegen es ihm nicht erlaubt ist, eine Nebenerwerbstätigkeit anzunehmen. Darüberhinaus muss er alle 90 Tage nach Japan ausreisen, um bei der Wiedereinreise nach Südkorea ein neues Touristenvisum ausgestellt zu bekommen. Die für dieses Projekt interviewten Teilnehmer erhalten keine Bezahlung. Sämtliche Kosten, die durch Interviews entstehen, werden jedoch übernommen (Raummiete, Speisen und Getränke). Weitere Kosten beinhalten die notwendigsten Lebenshaltungskosten, Fahrtkosten, sowie Telefon- und Internetgebühren.

Klicken Sie hier wenn Sie spenden möchten.
Wie können Sie spenden ››
Sie können eine Spende an das Forschungsprojekt Korea entweder per PayPal tätigen (bevorzugte Methode) oder per Überweisung an Herrn Lehmanns deutsches Bankkonto. Um mit PayPal oder Ihrer Kredigkarte zu spenden, klicken Sie einfach auf den obigen Donate Now Button. Sie werden dann auf die PayPal-Spendenseite des Forschungsprojekts Korea umgeleitet. Wenn Sie eine Spende tätigen, geben Sie bitte Ihren Namen und Ihre Email-Adresse an.
Bei der Entscheidung ueber die Höhe Ihrer Spende beachten Sie bitte, dass PayPal 1.9% des Betrags von Spendern innerhalb der EU und 3.9% von Spendern aus anderen Ländern einbehält, zuzüglich einer Gebühr von €0.35 | US$0.30 | £0.20. Sollten Schwierigkeiten bei der Nutzung von PayPal auftreten oder sollten Sie eine Spende per Überweisung vorziehen, senden Sie bitte eine Email an Matthias Lehmann an yongsagisa [at] gmail [dot] com.
Forschungsprojekt Korea veröffentlicht keinen Rechenschaftsbericht. Alle Spenden geschehen auf Vertrauensbasis.
27. März – Über das Projekt
Bitte besuchen Sie die aktualisierte Über das Projekt-Seite!
Lernen Sie das Forschungsteam kennen, erfahren Sie mehr über den Hintergrund des Forschungsthemas und über die geplanten Publikationen, und finden Sie heraus wie das Projekt finanziert ist und wie Sie uns unterstützen können.
17. März – Sehen heißt Zweifeln
Protestkundgebung indischer Sexarbeiter/innen in Maharashtra, Indien (Foto: VAMP)
Sehen heißt Zweifeln
Anti-Menschenhandels-Aktivisten verschmelzen allzu oft die Begriffe „sex trafficking“ und „Sexarbeit“. Sex trafficking beschreibt den Akt des „Menschenhandels zum Ziele der sexuellen Ausbeutung“. Sexarbeit (Prostitution) beschreibt den „Austausch einvernehmlicher Sexdienstleistungen gegen Entlohnungen“.
Zwei verbreitete Behauptungen von Prostitutionsgegnern lauten, dass selbst einvernehmliche Sexdienstleistungen unter Erwachsenen untrennbar mit Ausbeutung verbunden sind, und dass die globale Bewegung für die Rechte von Sexarbeiter/innen von weissen Sexarbeiter/innen in Industrienationen dominiert wird.
Sehen heißt Zweifeln ist eine Fotosammlung die Bilder* von den Protestkundgebungen von Sexarbeiter/innen in Entwicklungsländern zeigt, aufgenommen am 3. März 2012, dem Internationalen Tag für die Rechte von Sexarbeiter/innen. Die Botschaften auf ihren Plakaten, T-Shirts, Masken und roten Regenschirmen zeigen, was Sexarbeiter/innen selbst über ihre Arbeit und ihre Bedürfnisse denken.
Leben Sie in einem Entwicklungsland und haben am 3. März Fotos von den Protesten von Sexarbeiter/innen aufgenommen? Bitte hinterlassen Sie einen Kommentar (siehe unten) oder schreiben Sie mir an yongsagisa[at]gmail.com.
Lesen heißt Zweifeln
Bitte lesen sie diese beiden Beiträge und beurteilen Sie selbst, wer vernünftig klingt und wer nicht.
‚Mythen über den Menschenhandel‘ von Ronald Weitzer, Professer der Soziologie an der George Washington Universität. Weitzer ist sehr kritisch gegenüber den Positionen von Prostitutionsgegnern und der Verschmelzung von Sexarbeit im allgemeinen mit ‚sex trafficking‘. Wiewohl er nicht bestreitet, dass ‚sex trafficking‘ ein tatsächlich Phänomen darstellt, argumentiert er, dass das Vorkommen von Anti-Prostitutions-Organisationen in hohem Masse übertrieben wird.
‚Warum ich die Wahl getroffen habe, eine Prostituierte zu werden‘ von Melissa Farley und Nikki Craft. Farley ist eine amerikanische Psychologin undForscherin, und eine feministische Aktivistin der Anti-Pornographie- und Anti-Prostitutions-Bewegung. Sie ist die Mitbegründerin der Nicht-für-Profit-Organisation Prostitutionsforschung & Bildung in San Francisco, welche Informationen über Menschenhandel und Prostitution bereitstellt. Nikki Craft ist eine amerikanische Polit-Aktivistin, radikale Feministin, Künstlerin und Schriftstellerin.
Klicken Sie hier um das Sehen heißt Zweifeln-Fotoalbum auf Forschungsprojekt Koreas Facebook-Seite zu öffnen. (Es ist keine Registrierung nötig.)
Bitte beachten Sie auch weitere Fotoalben mit Protesten von Sexarbeiter/innen in Südkorea und Kambodscha.
* Haben Sie diese Fotos aufgenommen? Bitte schreiben Sie mir und ich werde Ihren Namen zu ihren Fotos hinzufügen.
14. März – Hinter den Kulissen
Online Dokumentation
Die Idee, Forschungsprojekt Korea online zu dokumentieren, kam aus mehreren Gründen zustande. Zu Beginn veröffentlichte ich einen Spendenaufruf auf meinem persönlichen Blog, um einen Teil des Projekts zu finanzieren. Die Aufruf wurde ein grosser Erfolg und so schien es nur angemessen, die Spenderinnen und Spender mit einigen Updates zu versorgen, um ihnen zu versichern, dass ihre Spenden auch dem richtigen Zweck zugeführt wurden. Obwohl ich aber manchmal Updates per Email sende, wollte ich diese Variante generell auf ein Minimum reduzieren und stattdessen die Möglichenkeit schaffen, den Verlauf des Projekts auf eigene Initiative hin zu verfolgen. Daher begann ich Updates in englischer und deutscher Sprache zu veröffentlichen, und dank der Hilfe meiner grossartigen Assistenten gibt es auch einige Informationen auf Koreanisch.
Da der Blog immer populärer wurde, entschied ich mich, ihn der Übersicht halber auf eine separate Webseite umzusiedeln. Der Blog hilft mir nun immens um mein Netzwerk mit diversen Menschen auszubauen, und es vergeht keine Woche, in der ich nicht mehrere neue Kontakte knüpfe, von neuen Fakten erfahre, oder Projekte von Sexarbeiter/innen kennenlerne. Mein Internet-Meme „Was Leute denken, das ich tue / Was ich wirklich tue“ war ein besonderer Erfolg und ich freue mich mitzuteilen, dass ich daraufhin sehr viel positive Rückmeldungen erhalten habe. Unter anderem lernte ich so zwei junge Forscherinnen kennen, eine aus Indien und eine aus den Vereinigten Staaten. Für sie und für alle anderen, die sich für die Arbeit im Zusammenhang mit einem Forschungsprojekt interessieren, möchte ich gerne die Notwendigkeit von Einverständniserklärungen erläutern und wie unser Team sie anwendet.
Einverständniserklärung
Die Forschungsethik für die Durchführung von Interviews, wie wir sie für dieses Projekt vornehmen, verlangt es, dass Teilnehmerinnen und Teilnehmer detaillierte Informationen über den Hintergrund und die Methoden und Zielsetzungen des Forschungsprojekts erhalten. Forscher haben Verantwortung dafür zu tragen, die Erlaubnis all derer einzuholen, die in das Projekt eingebunden sind. Es ist ihre Pflicht, sowohl die Rechte als auch die Privatsphäre der Teilnehmer zu schützen, keine der erhaltenen Informationen zu missbrauchen, und durchgehend ein hohes Mass an moralischer Verantwortlichkeit einzuhalten.
Beim Forschungsprojekt Korea erhalten unsere Interviewpartner ein Faltblatt, welches den Namen des Projekts, unsere Zugehörigkeit (in unserem Fall keine, da wir unabhängig sind), unsere Zielsetzung und die Verwertung der Interviews, die Namen der Mitarbeiter und deren Hintergründe, und die Interviewmethode erläutert.
Schließlich gibt es auch eine Rechtsbelehrung. Einige Beispiele lauten wie folgt:
- Sie haben das Recht anonym zu bleiben. Alle Interviews werden vertraulich behandelt und Interviewte können ein Pseudonym wählen, das für sie benutzt werden soll.
- Sie haben das Recht, jede Ihrer Aussagen auf vertraulicher Basis zu tätigen. Sie haben auch das Recht, offizielle Aussagen im Nachhinein als vertraulich einzustufen.
- Sie haben das Recht, das Interview jederzeit abzubrechen, ohne Angabe von Ihren Beweggründen, es sei denn, sie möchten Sie gerne nennen.
Wir erklären das gesamte Faltblatt in allen Einzelheiten und ermutigen unsere Gesprächspartner uns jederzeit Fragen zu stellen. Erst nachdem wir diesen Prozess der Erläuterungen abgeschlossen haben, bitten wir dann darum, die Einverständniserklärung zu unterschreiben. Das Faltblatt und eine Kopie der Einverständniserklärung, auf dem auch unsere Kontaktdaten angegeben sind, behält jede/r Befragte, damit sie uns erreichen können, um, falls nötig, eine bereits getätigte Aussage zu widerrufen oder zu ändern.
Die Einverständniserklärung besteht aus zwei Sektionen. Die erste beinhaltet eine Reihe von Fragen, die z.B. wie folgt lauten:
- Sind Sie damit einverstanden, dass wir Notizen machen und dieses Interview aufnehmen?
- Verstehen Sie Ihre Rechte wie sie unser Team und dieses Formular erläutert haben?
- Hatten Sie Gelegenheit Fragen über diese Studie zu stellen?
Die zweite Sektion beinhaltet eine Reihe von Angaben, die z.B. wie folgt lauten:
- Ich habe alle mir gegebenen Erklärungen gelesen und verstanden.
- Mir wurden sämtliche Fragen zu meiner vollsten Zufriedenheit beantwortet und ich erkläre mich freiwillig bereit, an dieser Studie teilzunehmen.
Schließlich können alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer wählen, ob sie mit ihrem echten Namen oder einem Pseudonym unterzeichnen wollen.
Das gesamte Faltblatt ist zweisprachig, in koreanischer und englischer Sprache, und in einem einfachen, nicht-fachspezifischen Stil gehalten, so dass es leicht zu verstehen ist.
Fazit
Es gibt keine einheitliche Form für Einverständniserklärungen für sozialwissenschaftliche Forschungsinterviews. Jede Forscherin und jeder Forscher mag andere Aspekte als wichtig oder entbehrlich einschätzen. Um eine Einverständniserklärung für Ihre eigene Forschung zu entwickeln, bietet es sich an, sich verschiedene Formulare anderer anzusehen, die Sie im Internet finden können. Sie mögen sich dann entscheiden, manche Teil zu übernehmen, andere umzuformilieren oder ganz andere in ihre Form zu integrieren, die von besonderer Bedeutung für Ihr spezifisches Thema halten.
Ich möchte an dieser Stelle Frau Kate Cooper danken, ehemals eine Studentin am Zentrum für Angewandte Menschenrechte der Universität York, für das Bereitstellen der Einverständniserklärung ihres Forschungsprojekts, welche mein erster Anhaltspunkt war.
Wenn Sie ein/e Forscher/in oder ein/e Sexarbeiter/in sind und derzeit ein Forschungsprojekt planen, lade ich Sie herzlich ein mir etwaige Fragen zu stellen, die Sie haben könnten. Soweit es mir möglich ist, werde ich sie gerne beantworten. Eine Kopie der von uns entwickelten Einverständniserklärung ist auf Anfrage erhältlich. Bitte hinterlassen Sie einen dementsprechenden Kommentar (siehe unten).
3. März ☂ Internationaler Tag für die Rechte von Sexarbeiter/innen

Der 3. März gilt als der Internationale Tag für die Rechte von Sexarbeiter/innen. Der Gedenktag wurde im Jahr 2001 vom Durbar Mahila Samanwaya Komitee (DMSC) ins Leben gerufen, einem Sexarbeiter/innen-Kollektiv in Indien. Über 25,000 Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter versammelten sich zu dem Gründungsfestival, und seither wird der Gedenktag von Sexarbeiter/innen und allen, die sich mit ihnen solidarisch zeigen, international feierlich begangen.
Der Rote Regenschirm als Symbol für die Solidarität mit Sexarbeiter/innen kam zum ersten Mal bei der 49. Biennale in Venedig im Jahr 2001 zum Einsatz. Italienische Sexarbeiter/innen marschierten durch die Strassen Venedigs als Teil des “Prostituierten-Pavillons” und der CODE:RED Kunstinstallation des slowenischen Künstlers Tadej Pogacar. Der Marsch der roten Regenschirme machte auf die schlechten Arbeitsbedingungen und Menschenrechtsverletzungen aufmerksam, denen Sexarbeiter/innen ausgesetzt sind. Vier Jahre später wurde der rote Regenschirm vom Internationalen Komitee für die Rechte von SexarbeiterInnen in Europa (ICRSE) als Symbol für den Widerstand gegen Diskriminierung übernommen. Seither gilt der rote Regenschirm als internationale Ikone für die Rechte von Sexarbeiter/innen auf der ganzen Welt. Er symbolisiert sowohl den Schutz vor Misshandlungen und Intoleranz, denen Sexarbeiter/innen überall ausgesetzt sind, als auch ihre Stärke.
Foto: “NeonRights” von Matt Lemon. Besuchen Sie Matt Lemon Photography auf WordPress und Facebook.
1. März – Sonderreport des Forschungsprojekts Korea
In der Höhle des Löwen: Ein Abend unter Prostitutionsgegnern
Die Veranstaltung*
In der ersten Dezemberhälfte besuchte ich eine Ausstellung und einen Vortrag, die sich mit den „Themen der sexuellen Sklaverei, des Menschenhandels, und der Gewalt gegen und Unterdrückung von Frauen“ beschäftigte (übersetztes Zitat der offiziellen Beschreibung). Die Veranstaltung war Teil einer Vortragsreihe, die die Angelegenheit der sogenannten ‚Trostfrauen‘ beleuchtete, ein euphemistischer Ausdruck, mit dem Mädchen und Frauen bezeichnet werden, die für die japanischen Kriegsbordelle des Zweiten Weltkrieges zwangsprostituiert wurden. Die verbleibenden Überlebenden, die oft schlicht halmonis (Großmütter) genannt werden, protestieren jede Woche vor der japanischen Botschaft in Seoul, um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, von der japanischen Regierung eine angemessene Entschädigung für ihr Leid zu erhalten.
Protest der koreanischen ‘Trostfrauen’ (Foto: AP/Ahn Young-joon)
Ich habe durchaus Verständnis für den Protest der halmonis, aber ich sehe nicht die gleichen Zusammenhänge zwischen deren Kampf und den Umständen in der heutigen Sexindustrie, wie die Organisatoren der Veranstaltung es in ihrer Beschreibung taten. Mir war im Vorhinein bewusst, dass die Organisatoren und die Mehrheit der Teilnehmer wahrscheinlich dem Spektrum der Prostitutionsgegner entstammen würden, die jedwede Form von Sexarbeit (Prostitution) als Ausbeutung ansehen, und die sich oft auf (die Rettung von) Frauen und Minderjährige(n) konzentrieren, eine Sicht, die ich nicht unterstütze. Da der Vortrag jedoch den Titel „Die heutige Sexindustrie in Korea“ trug, entschied ich mich dennoch teilzunehmen, um einer erfahrenen Expertin zuzuhören, die im folgenden als Frau A bezeichnet werden wird, und um zu versuchen, mich in einigen sinnvollen Diskussionen zu engagieren.
Klarstellung
Eine koreanische Freundin teilte mir kürzlich mit, dass meine Äußerungen, dass ich “durchaus Verständnis für den Protest der halmonis” hätte und dass ich das “Verhalten der japanischen Regierung, die überlebenden halmonis nicht zu entschädigen” als einen gerechtfertigter Grund für öffentliche Proteste ansähe, auf sie eher wie ein Lippenbekenntnis wirkten als ein aufrichtiges Bekenntnis. Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, den folgenden Absatz hinzufügen.
Ich bestreite mitnichten die Erfahrungen und das große Leid, dass die Frauen erleiden mussten, die während der Kolonialherrschaft Japans über Südkorea als Sexsklaven missbraucht wurden. Die Entschädigung der ‘Trostfrauen’ ist jedoch höchst komplizierte Angelegenheit, und meiner Ansicht nach ist es dem Fehlverhalten sowohl der japanischen als auch der koreanischen Regierung geschuldet, dass bisher keine Lösung gefunden wurde, da es beide versäumen, die Interessen der ‘halmonis’ zur höchsten Priorität zu erklären. Ich stimme der Vermischung der ‘Trostfrauen’-Problematik mit der heutigen Sexindustrie in Südkorea nicht zu und habe das Thema nur als Teil meiner Analyse des Vortags von Frau A erwähnt.
Für diejenigen, die sich für die Problematik der Entschädigung der ‘Trostfrauen’ interessieren, empfehle ich die folgenden Artikel als Ausgangspunkt. http://tinyurl.com/y4rtr8 | http://tinyurl.com/88w69l4 | http://tinyurl.com/72rw5hw | http://tinyurl.com/omeof
Der Vortrag
Der Vortrag wurde von Frau A gehalten, der früheren Direktorin einer Regierungsorganisation, die Rechtsberatungen, medizinische Versorgung und andere Hilfsmassnahmen für Opfer sexueller Ausbeutung (‚sex trafficking‘) anbietet und öffentlichkeitswirksame Kampagnen gegen den Sexhandel organisiert. Lobenswerterweise hatten die Organisatoren der Veranstaltung der Vortragenden eine Dolmetscherin zur Seite gestellt, so dass sowohl der Vortrag als auch die Diskussion im Anschluss zweisprachig zu verfolgen war. Trotz des Titels begann der Vortrag mit einem geschichtlichen Abriss der Prostitution in Korea, und es schien mir, dass Frau A andeutete, dass es ein Phänomen wäre, das vornehmlich mit dem Gebaren in Korea stationierter ausländischer Streitkräfte zu tun hätte. Obwohl sie später das Wachstum und die Größe des einheimischen Marktes für sexuelle Dienstleistungen erwähnte, hatte sie m. E. dennoch, sei es willentlich oder unabsichtlich, an die nationalistische Gesinnung appelliert, die dem Thema Prostitution in Korea zugrunde liegt und die Schuld auf Ausländer verlagert, obwohl in der Realität hauptsächlich koreanische Kunden die Dienste in der koreanischen Sexindustrie in Anspruch nehmen.
Das Verhalten der japanischen Regierung, die überlebenden halmonis nicht zu entschädigen, oder das SOFA Abkommen zwischen Südkorea und den Vereinigten Staaten, welches besagt, dass amerikanische Gerichte zuständig sind, wenn Mitglieder des amerikanischen Militärs in Korea Straftaten begehen, repräsentieren beide gerechtfertigte Gründe für Proteste in der Öffentlichkeit. Meiner Ansicht nach werden diese Themen jedoch oft von Nationalisten besetzt, um eine ausländerfeindliche Stimmung zu schüren, und daher hielt ich Frau A’s Einlassungen zumindest unglücklich.
Es zeigte sich jedoch, dass Frau A nicht so sehr von Fremdenfeindlichkeit getrieben schien, als von ihrer Überzeugung, dass das ‚Trostfrauen-System‘ während der Kolonialherrschaft Japans, die Rotlichtviertel nahe der amerikanischen Militärstützpunkte in Korea und die heutige Sexindustrie allesamt identische Merkmale aufweisen, die aus einem patriarchalischen Gesellschaftssystem resultieren, das abgeschafft werden muss, und das sämtliche Formen der Prostitution Gewalt gegen Frauen darstellen.
Frau A benutzte für die Sexindustrie den Ausdruck ‚sex trafficking‘. Mehr dazu unter ‚Wortwahl 1‘ (siehe unten).
Im folgenden werde ich Teile ihrer Präsentation zusammenfassen, die einen Eindruck davon vermitteln, welche Stimmungslage Frau A kreierte und welche Art von Darstellungen sie vermitteln wollte.
Der Mord an Yun Geum-I
Frau A begann ihren Vortrag mit der Erzählung des Mordes an der Prostituierten Yun Geum-i (윤금이) durch den Gefreiten Kenneth Lee Markle, einem berühmt-berüchtigten Fall, in dem „Markle, der der Zweiten Division der Streitkräfte der Vereinigten Staaten angehörte, Yun am 28. Oktober 1991 brutal ermordete und sie dann mit mehreren Objekten penetrierte“ (Quelle: The Hankyoreh, Übersetzung des Autors)
Vergewaltigung (2011) by Azi, Iranische Künstlerin, Open Art Studio
Sie fuhr dann fort mit der Aufforderung an die Zuhörer, im Internet nach dem Foto zu suchen, das am Tatort aufgenommen wurde, und welches der Auslöser für Frau A war, sich für die Lebenssituationen von Prostituierten in Südkorea zu interessieren.
Ich bin ihrem Vorschlag später gefolgt und kann anderen nicht empfehlen, es mir nach zu tun. Stattdessen werde hier ich einen Link zu einem Eintrag bei Wikipedia einfügen, der den Fall zusammenfasst und keinerlei Bilder beinhaltet. Ich glaube jedoch, dass die obige Beschreibung ausreichend detailliert ist. Klicken Sie hier, wenn sie weitere Details über den brutalen Mord an Yun Geum-i erfahren möchten.
“Gülle trinken”
Der zweite Fall, den Frau A erwähnte, war der erste Fall, den sie als Mitarbeiterin der Regierungsorganisation bearbeitete, die Opfern von Gewalt und Missbrauch Hilfe anbietet.**
An ihrem ersten Arbeitstag erhielt Frau A einen Anruf eines verzweifelten Vaters, der sie um Hilfe bat, seine Tochter zu finden. Sie hatte das Haus ihrer Familie eine Woche zuvor verlassen und war nicht zurückgekehrt. Stattdessen hatte sie von einem Mobiltelefon angerufen, das einem Kunden der Bordells gehörte, in dem sie gelandet war. Nachdem sich Frau A einen Weg durch die koreanische Verwaltungsbürokratie und die Vollzugsbehörden gebahnt hatte, konnten der Kunde, das Bordell und schließlich die Tochter ausfindig gemacht werden.
Sie weigerte sich jedoch das Bordell zu verlassen, es sei denn die Polizei würde auch eine behinderte Frau retten, von der sie behauptete, sie werde gezwungen in dem Bordell zu arbeiten. Die Polizei drohte ihr eine Strafe an, sollte sich diese Behauptung als Lüge herausstellen, doch die Frau beharrte darauf, die Wahrheit gesagt zu haben. Die Polizei durchsuchte daher die Räumlichkeiten und fand die behinderte Frau. Diese weigerte sich jedoch ebenfalls das Bordell zu verlassen und behauptete, sie würde dort nicht als Prostituierte arbeiten, und dass die Besitzer sie wie ihre eigenen Eltern behandeln würden.
Während der folgenden 13 Stunden langen Befragung wechselten sich Wut gegen die junge Frau ob ihrer falschen Behauptungen ab mit Koketterie gegenüber den Polizeibeamten. Frau A zufolge hatte die Frau schlicht keinen Grund, ihr oder den Beamten, die zugegen waren, zu vertrauen.
Die Tochter jedoch gab auf die Frage, welche Form von Missbrauch sie bezeugen konnte, an, dass sie sowohl mitangesehen hatte, wie die Frau mit in Zeitungspapier und Strumpfhosen eingewickelten Seifestücken geschlagen wurde, als auch dass sie durch die Haare hindurch mit erhitzten Metall-Essstäbchen auf ihrer Kopfhaut gestochen wurde, wodurch jegliche Missbrauchsspuren verborgen geblieben wären. Sie fügte hinzu, dass die Frau nur Reste zu essen bekam und nur die abstoßendsten Kunden bedienen musste. Einmal musste sie mitansehen, wie sie dazu gezwungen wurde Gülle zu trinken, wodurch sie sich übergeben musste.
Am zweiten Tag der Befragung hatte Frau A schließlich das Vertrauen der Frau in ausreichendem Masse gewonnen, die daraufhin berichtete, wie sie vor häuslicher Gewalt in ihrer Familie geflohen war und sich ihren Lebensunterhalt in dem Bordell verdient hätte. Nachdem Frau A ihr weitere Unterstützung durch ihre Organisation versichert hatte, bestätigte die Frau schließlich die Angaben der jüngeren Frau, und so verließen die beiden Frauen gemeinsam mit Frau A das Bordell.
Auseinandersetzung mit einem Zuhälter
Im Zusammenhang mit derselben Geschichte berichtete Frau A auch von einer Auseinandersetzung mit einem der Zuhälter des Bordells.
Zuhälter: “Was zum Teufel glaubst Du eigentlich wer Du bist?“
Frau A: “Wie kannst Du es wagen, so mit mir zu reden, Du, der diese behinderten Frauen missbraucht hast? ”
Zuhälter: “Ich habe diese nutzlosen Frauen aufgenommen und ihnen etwas zu essen, eine Unterkunft und eine Arbeit gegeben.”
Ms A: “Du glaubst allen Ernstes Du bist hier die Fürsorge?!”
Zuhälter: “Genau das bin ich.“
Eine nicht überzeugende Überzeugung
Frau A beendete ihren Vortrag mit der Behauptung, dass sie in all den Jahren, die sie in diesem Bereich tätig sei, ausschließlich Zustände wie die von ihr beschriebenen vorgefunden habe, und dass diese repräsentativ seien für „die Erlebnisse von allen Frauen, die in der Sexindustrie arbeiteten“.
Ich habe bereits zugegeben, dass ich der Argumentation von Prostitutionsgegnern im Allgemeinen nicht zustimme, aber von einer koreanischen Expertin mit vielen Jahren Felderfahrung zu hören, dass sie keinerlei positive Beispiele von erfolgreichen Sexarbeiter/innen in Korea hatte finden können, ließ mir keine Wahl als die Glaubwürdigkeit ihrer Forschungsbemühungen anzuzweifeln.
Ich bin ein weißer Mann mit eingeschränkten Kenntnissen der koreanischen Sprache. Wenn ich Sexarbeiter/innen in Korea begegne, mag ich auf den ersten Blick eher als potentieller Kunde erscheinen denn als Forscher. Daher mag man erwarten, dass Sexarbeiter/innen zu finden, die bereit sind sich interviewen zu lassen, eine ziemliche Herausforderung darstellen muss. Ich weiß aber bereits nach den wenigen Monaten, die ich in mein Forschungsprojekt investiert habe, von Sexarbeiter/innen, die mehr als ausländische Englischlehrer in Korea verdienen, (was eine sehr einträgliche Arbeit ist), und deren hauptsächliche Beschwerde das negative Stigma ist, das ihrer Arbeit anhaftet.
Die Behauptung Frau A‘s, dass nur weiße Sexarbeiter/innen gutes Geld in der Sexindustrie verdienen würden, kann daher verworfen werden.
Ich bezweifle nicht, dass die Erlebnisse, die Frau A erzählte, so geschehen sind. Ich bezweifle auch nicht, dass sich Ähnliches jederzeit zutragen kann. Ich habe jedoch begründete Zweifel, dass Frau A’s Schlussfolgerung stimmig ist, dass diese Erlebnisse die Erfahrungen „aller Frauen, die in der Sexindustrie arbeiten“ repräsentieren, denn alle Sexarbeiter/innen, mit denen ich bisher gesprochen habe, erzählen mir von anderen Erfahrungen.
Die Erzählweise von Prostitutionsgegnern
Prostitutionsgegner benutzen oft Erzählungen von Gewalt und dramatischen Rettungen, um die Klischees des schutzlosen Opfers und des starken Helden oder der starken Heldin zu verstärken. Dadurch erregen sie erfolgreich Mitgefühl unter ihren Zuhörern, ermutigen sie dazu ihrer Sache beizutreten, und gewinnen so eine stets anwachsende Gemeinde von Unterstützern, die ihrer Ideologie folgt, anstatt die wachsende Beweislage, die ihr widerspricht, zu untersuchen.
Selbst wenn einiges bei der Übersetzung verloren gegangen sein mag, ist wohl anzunehmen, dass der Zuhälter in der obigen Geschichte zumindest mitschuldig war an der Körperverletzung, die diese Frauen erleiden mussten. Aber Frau A benutzte wieder einen der schlimmsten Fälle, um ein Klischee aufrechtzuerhalten – das des brutalen Zuhälters bar jedweden Respekts für menschliches Leben.
Anti-Prostitutions-Kampagnenposter*
Ich schrieb zuvor, dass ich nicht anzweifle, dass sich die Geschehnisse, die Frau A beschrieb, in der Tat so zugetragen haben, noch, dass sie nicht anderswo genauso geschehen könnten; aber Gewalt geschieht vielerorts, nicht zuletzt in der eigenen Familie.
Wer behauptet, dass Mord, Brutalität und Erniedrigungen in der Sexindustrie alltägliche Vorkommnisse sind, ist entweder vom Ekel getrieben, den das Bezeugen von schockierenden Menschenrechtsverletzungen auslöst, oder aber von der Motivation, solche Beispiele ganz bewusst zu benutzen, um in anderen Furcht hervorzurufen und sie zu überzeugen, ihrer Agenda beizutreten – der Ausrottung jeglicher Geschäfte, in denen sexuelle Dienste für Geld angeboten werden.
Ich habe den Eindruck, dass die Mehrheit der Prostitutionsgegner der zweiten Gruppe angehört, und dass sie durch den gezielten Einsatz von schockierenden Bildern und verstörenden Geschichten anstreben, das Klischee von Prostituierten als ohnmächtige Opfer bar jeder Entscheidungsfähigkeit immer wieder aufs Neue zu verstärken.
Durch ihren starken Einfluss auf die öffentliche Meinung und auf Politiker gelingt es ihnen dabei, dergestalt auf Regierungen einzuwirken, dass sie mehr und mehr Aspekte der Sexindustrie gesetzlich verbieten. Dadurch wird die Sexindustrie immer mehr in den Untergrund getrieben, mit fatalen Folgen für die Menschen, die in ihr arbeiten.
„Dieser Opferstatus ist ein Werkzeug, um uns zum Schweigen zu bringen und um unsere angebliche Entscheidungsunfähigkeit zu rechtfertigen. Sexarbeiter/innen sind nie von Bedeutung in dieser Debatte. Wir werden wie Kinder behandelt, die Schutz benötigen, oder werden als psychisch krank dargestellt mithilfe von verlogenen Statistiken über Kindesmissbrauch, Vergewaltigungen und posttraumatische Belastungsstörungen. Es wird über uns gesagt, dass wir von der Normalität entfremdet sind und uns in einem falschen Bewusstsein befinden, solange wir „in der Prostitution“ tätig sind, und nur wenn wir rehabilitiert sein werden, werden wir unsere Vergangenheit als eine begreifen, in der wir uns selbst Schaden zufügten. … Warum wollen manche Politiker Sex im gegenseitigen Einverständnis zwischen Erwachsenen kriminalisieren, gleichzeitig aber nichts tun um Vergewaltigungen zu stoppen?“
(Quelle: Thierry Schaffauser, Foto: Philippe Leroyer)
Es fällt nicht leicht, jemanden wie Frau A der absichtlichen Benutzung von schockierenden Bildern und verstörenden Geschichten zu beschuldigen. Möchte sie letzten Endes nicht einfach nur helfen?
Altruismus ist jedoch nicht die primäre Antriebskraft von Prostitutionsgegnern. Stattdessen ist es der Wille ihre Überzeugung zu propagieren, dass Prostitution untrennbar mit Ausbeutung verbunden ist, und dass Prostituierte ohne Ausnahme Opfer sind, die Rettung benötigen, ohne darauf Rücksicht zu nehmen, dass sie selbst wählen in der Sexindustrie zu arbeiten.
Das Recht auf Arbeit, per Definition in der UN-Menschenrechtscharta, besagt, dass „[j]eder … das Recht auf Arbeit [hat], auf freie Berufswahl, auf gerechte und befriedigende Arbeitsbedingungen sowie auf Schutz vor Arbeitslosigkeit.”
Durch die Gleichsetzung von einvernehmlichen Sexdienstleistungen unter freien Erwachsenen mit Menschenrechtsverletzungen entziehen Prostitutionsgegner Sexarbeiter/innen nicht nur das Recht auf Arbeit, sie zielen auch darauf ab, Kritiker ihrer Agenda zum Schweigen zu bringen, wie ich später am gleichen Abend des Vortrags von Frau A am eigenen Leib erfahren sollte.
Wortwahl, Teil I
Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose, aber ist sexuelle Ausbeutung gleichzusetzen mit Menschenhandel und Prostitution?
Eine Rose Ist Eine Rose Ist Eine Rose (Foto: Maureen Costantino)
Im Folgenden werde ich darstellen, dass die Rhetorik von Prostitutionsgegnern nicht allein von semantischer Bedeutung ist; sie treibt eine Agenda voran, die Menschenrechtsverletzungen nicht verhindert sondern fördert.
Die meisten Aktivisten, die sich den Kampf gegen den Menschenhandel oder gegen die Prostitution zum Ziel gesetzt haben, und auch die Medien benutzen diese Bezeichnungen heutzutage als wären sie austauschbar, obwohl sie durchaus nicht die gleichen Angelegenheiten beschreiben. Der Begriff ‚sexuelle Ausbeutung‘ (‚sex trafficking‘) wird oft benutzt, um ‚Sexarbeit‘ oder ‚Prostitution‘ zu beschreiben. Als Sexarbeiter/in (Prostituierte/r) zu arbeiten ist jedoch nicht dasselbe wie ‚illegal gehandelt‘ zu werden, per Definition des UN-Menschenhandelsprotokolls vom Jahr 2000, wenn keine Täuschung, Nötigung, oder ein Transport innerhalb oder über nationale Grenzen hinweg vorliegt.
Es mit den Begriffen ‚sexuelle Ausbeutung‘ und ‚Menschenhandel‘ nicht so genau zu nehmen, legt nahe, dass beides ein und dieselbe Angelegenheit ist, wenn ‚sexuelle Ausbeutung‘ (‚sex trafficking‘) jedoch ausschließlich den ‚Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung‘ meint, der eine Minderheit aller Fälle des Menschenhandels darstellt. Die Mehrheit der Fälle sind solche, in denen Menschen zu Zwangsarbeit in Fabriken, im Bausektor oder in Fischereibetrieben gezwungen, oder als Angestellte in privaten Haushalten ausgebeutet werden.
Mit der Feststellung, dass die Fälle von Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung in der Minderheit sind, möchte ich mitnichten andeuten, dass sie minderwertig im Sinne von ‚vernachlässigbar‘ wären. Es ist jedoch wichtig zu erkennen, dass ein Begriff, der suggeriert, dass ‚Menschenhandel‘ und ‚sexuelle Ausbeutung‘ die gleichen Phänomene sind, sich durchaus nachteilig auf Gesetzgebungen auswirkt, die den Menschenhandel umfassend eindämmen könnten, da er die Aufmerksamkeit und Ressourcen ausschließlich auf einen Aspekt des Problems konzentriert.
Zu suggerieren, dass jegliche Form der Prostitution sexuelle Ausbeutung darstellt, ist nicht allein eine Ansichtssache; die unterschiedlichen Situationen, in denen Menschen sexuelle Dienstleistungen anbieten, als untrennbar von Gewalt zu klassifizieren, beeinträchtigt den Diskurs über das Thema dergestalt, dass Gesetze verabschiedet werden, die Prostitution illegal erklärt, was im Gegenzug zu Menschenrechtsverletzungen gegen dieselbe Zielgruppe führt, die solche Gesetze vorgeben schützen zu wollen.
Prostitution als Sexarbeit zu definieren, eine Bezeichnung, die Sexarbeiter/innen selbst geprägt haben, wird von Teilen der Frauenbewegung heftig angefochten … Laut der Webseite der Koalition gegen den Frauenhandel (CATW) „beutet jedwede Form der Prostitution Frauen aus, ungeachtet dessen, ob [die sexuelle Handlung] in ihrem Einvernehmen geschieht. … Prostitution betrifft alle Frauen, rechtfertigt den Handel mit jedweder Frau, und reduziert alle Frauen zu Sexobjekten. … Lokale und globale Sexindustrien verletzen Frauenrechte systematisch und in steigendem Masse.“
Wie Laura Lederer, eine prominente Pornographiegegnerin in den 1980er Jahren, Gründerin des Schutzprojekts (Protection Project) gegen den Menschenhandel und Senior Advisor des auswärtigen Amts der Vereinigten Staaten zum Thema Menschenhandel, erklärt: „[Prostitution] stellt keine legitime Erwerbstätigkeit dar. … Es kann nie legitim sein, so seinen Lebensunterhalt zu verdienen, denn es ist durch und durch schädlich für Männer, Frauen und Kinder. … Diese gesamte kommerzielle Sexindustrie ist eine einzige Menschenrechtsverletzung.“
„Sex ist allein Ehen vorbehalten, in denen ein lebenslanges Bündnis zwischen einem Mann und einer Frau existiert. … Wenn Sex kommerzialisiert wird, werden die moralischen Grundsätze unserer Gesellschaft beschädigt.“ Die zweite Aussage ist ein Zitat eines Artikels, der einen entsprechenden Titel trägt: „Sex ist keine Arbeit“.
Prostitutionsgegner sehen kommerzielle Sexdienstleistungen nicht nur als ausbeuterisch an, sondern auch als zutiefst schädlich für die Charakterstärke von Menschen. … Wenn Sex keine Arbeit darstellt, dann kann es auch keine im Einvernehmen tätigen Sexarbeiter/innen geben, mit der logischen Schlussfolgerung, dass Prostitutionsgegner untauglich sind, für die Rechte von Sexarbeiter/innen einzutreten. Doch es ist nicht allein das. Da die Agenda von Prostitutionsgegnern die Kriminalisierung eines „jeden Standortwechsels zu einem Ort, an dem ein Individuum sexuelle Dienstleistungen anbietet“ beinhaltet, was alle Formen der Prostitution automatisch als ‚sexuelle Ausbeutung‘ klassifiziert, wird freiwillig agierenden Sexarbeiter/innen nicht nur ihre Entscheidungsfähigkeit vorenthalten; sie werden auch effektiv in Gefahr gebracht, da Razzien in Bordellen, zum Teil hervorgerufen durch Gesetze, die unter dem Einfluss der Anti-Prostitutions-Lobby entstehen, es Sexarbeiter/innen unmöglich machen, adäquate Hilfsdienste in Anspruch zu nehmen und so die Wahrscheinlichkeit von Ausbeutung in die Höhe treiben.
(Quelle: Matthias Lehmann, “Transnationalisierung einer thailändischen Graswurzelbewegung. Ein umfassender Ansatz zur Vorbeugung des Menschenhandels.”, Seiten 8-10.)
Wortwahl, Part II
Während ihres Vortrags und der anschließenden Diskussionsrunde machte Frau A von vielfältigen Taktiken von Prostitutionsgegnern Gebrauch. Ich erwähnte bereits ihre irrige Behauptung, dass nur ‚weiße‘ Sexarbeiter/innen gutes Geld in der Sexindustrie verdienen würden, sowie ihre fragwürdigen Bemerkungen zu Beginn, die anzudeuten schienen, dass Prostitution ein ‚ausländisches‘ Problem sei, und ihre Ermunterung nach dem Foto der brutal ermordeten Yun Geum-i zu suchen.
Im Folgenden werde ich eine Auswahl von Frau A’s weiteren Aussagen beleuchten, inklusive einiger ihrer aufschlussreichen Versprecher.
1. Als Frau A über Prostituierte referierte, sprach sie von „Frauen, die noch in der Sexindustrie arbeiten“, mit der Betonung auf ‚noch‘. Es scheint, dass ihrer Ansicht nach, in der Sexindustrie zu arbeiten nur eine Übergangsphase vor einem Ausstieg oder einer Rettung darstellen kann.
2. Als Frau A über Kunden sprach, die mit Prostituierten ‚schliefen‘, korrigierte sie sich schnell selbst. „Ich kann nicht ‚ schlafen‘ sagen. Ich sollte ‚kaufen‘ sagen.“ Es scheint, dass Sex ihrer Ansicht nach nicht länger mit konventionellen Bezeichnungen beschrieben werden kann, sobald Geld involviert ist. Es erinnert einen an den zuvor zitierten Artikel „Sex ist keine Arbeit“. „Wenn Sex kommerzialisiert wird, werden die moralischen Grundsätze unserer Gesellschaft beschädigt.“ Ein Verhalten, das von manchen als unmoralisch angesehen wird, stellt dadurch aber nicht automatisch eine Menschenrechtsverletzung dar.
Anti-Prostitutions-Kampagnenposter (Detailansicht)*
3. Auf die Frage nach der Bandbreite der Sexindustrie in Korea antwortete Frau A, dass „die Größe der Sexindustrie einzuschätzen sei wie die Sterne am Himmel zu zählen“ und „wo auch immer Männer sind, sind solche Orte [Bordelle]“. Sie stellte auch die Gegenfrage: „Gibt es hier [in Korea] überhaupt Männer über zwanzig, die noch nie Sex gekauft haben?“
Zusammen mit ihren drastischen Beschreibungen von Gewalt und ihrer wiederholten Aussage, dass sie „Erfahrungen, die alle Frauen machen, die in der Sexindustrie arbeiten“, repräsentieren, kreierte Frau A eine fühlbare Atmosphäre von Schock und Ohnmacht, wie die Reaktionen der Zuhörer deutlich machten.
4. Abgesehen von ihrer Analyse der Prostitution in Korea, teilte Frau A auch ihre Ansicht mit, dass Frauen, die mit US-Amerikanern verheiratet wären und in die Vereinigten Staaten zögen, mit wenigen Ausnahmen unglücklich lebten, hervorgerufen durch häusliche Gewalt, Drogenmissbrauch ihrer Ehemänner, oder weil sie in die Prostitution gezwungen würden. Nach dieser Aussage beeilte sich Frau schnell hinzuzufügen, dass sie nicht meinte, dass „jede einzelne Frau“ unglücklich sei. „Ich muss vorsichtig sein. Natürlich gibt es auch einige Paare, die glücklich zusammen leben.“ In Anbetracht ihrer fragwürdigen Bemerkungen zu Beginn, verstärkte diese pauschale Verallgemeinerung den Eindruck, dass ihrer Wahrnehmung nach Frauen schlimme Dinge nicht allein durch Männer widerfahren, sondern speziell durch ausländische Männer.
Die Whartons, eine koreanisch-amerikanische Familie (Foto: Josh Douglas Smith)
5. Als eine Zuhörerin nach Frau A’s Einschätzung der verschiedenen Gesetzesmodelle fragte, die in Ländern wie Neuseeland, Schweden oder den Niederlanden existieren, antwortete sie, dass das eine sehr schwierige Frage sei. Dann begann sie zu erzählen. „Im Jahr 2007 war ich in Deutschland, wo sexuelle Ausbeutung legal ist…äh…wo Prostitution legal ist.“ In aller Fairness, dieser Versprecher mag durch die Müdigkeit der Übersetzerin ausgelöst gewesen sein, aber es war nicht von der Hand zu weisen, dass Frau A es mehr als nur einmal mit den Begriffen nicht so genau nahm.
Sie fuhr fort zu erklären, dass Prostituierte in Deutschland Steuern zahlen müssen und dass Deutsche Prostituierte als schmutzig empfänden, wobei keine dieser Aussagen irgendeine Information darüber beinhaltete, was sie über Gesetzgebungen dachte, die Prostitution nicht vollständig verbieten. Sie zitierte dann eine Studie mit über 3,000 Prostituierten in Deutschland, die herausgefunden hatte, dass nur 1% aller Befragten „registriert“ gewesen seien, ohne jedoch irgendwelche Einzelheiten zu benennen, z.B. was sie mit „Registrierung“ meinte, warum Prostituierte sich nicht registrierten, oder auf welchen Bericht sie sich bezog.
Im November 2005 wurde in Deutschland der „Bericht der Bundesregierung zu den Auswirkungen des Gesetzes zur Regelung der Rechtsverhältnisse der Prostituierten (Prostitutionsgesetz – ProstG)“ veröffentlicht, im Anschluss an ein 18 Monate währendes Forschungsprojekt im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Das Forschungsteam interviewte 305 Sexarbeiter/innen und fand, dass nur 1% von ihnen angab „einen Arbeitsvertrag als Prostituierte zu haben“ (Seite 15, deutsche Version)
Als Haupthinderungsgrund gaben die Sexarbeiter/innen die Ungewissheit an, ob ein Arbeitsvertrag ihnen wirklich irgendwelche sozialen oder materiellen Vorteile bringen würde, und in welchem Ausmaß sie womöglich mit unerwarteten Nachteilen konfrontiert würden.
Die häufigste Antwort war, dass sie sich schlicht nicht vorstellen konnten, wie solche Verträge aussehen sollten.
„Ich denke, richtig hilfreich wäre ein Arbeitsvertrag für gar keine Prostituierte. Man muss sehr vorsichtig sein mit Arbeitsverträgen, weil durch diese auch eine Ausbeutung der Frauen auf eine ganz andere Art und Weise entstehen kann. Okay, du kriegst einen Arbeitsvertrag, aber dafür musst du dann Französisch total machen oder musst einen Service bieten, den der Kunde haben will. Wenn Frauen das zum Preis der sozialen Absicherung angeboten wird, dann würde ich jeder Frau raten, das nicht zu tun.“ (Seite 55, deutsche Version)
Weitere immaterielle Bedenken, die Sexarbeiter/innen in Bezug auf Arbeitsverträge äußerten, waren unter anderem das gesellschaftliche Stigma, das aus dem Verlust der Anonymität resultieren würde, der Verlust der Autonomität und Selbstbestimmung, und der Verlust der absoluten Flexibilität, was die Arbeitszeit und die Auswahl der sexuellen Dienstleistungen und der Kunden anbetrifft – alles hoch geschätzte Vorteile eines unregulierten Arbeitsverhältnisses. Diese für mehr Sicherheit aufgeben zu müssen bedeutete für viele Sexarbeiter/innen, dass die Kosten für Arbeitsverträge den Nutzen übersteigen würden. (Seite 257)
Ob Frau A sich auf denselben Bericht bezog, überlasse ich der Beurteilung der Leserinnen und Leser, aber was von Bedeutung ist, ist, dass der Bericht eine große Vielfalt an Gründen liefert, warum Sexarbeiter/innen sich gegen Arbeitsverträge entschieden hatten. Eine Studie, die zehnmal so viele Sexarbeiter/innen befragt hätte, hätte mit Sicherheit einige dementsprechende Erkenntnisse geliefert.
Der einzige Teil von Frau A’s Kommentar zu der eigentlichen Frage, der als Antwort angesehen werden konnte, war, dass sie sagte, „Ich glaube nicht, dass eine Legalisierung der richtige Weg ist.“ und dass sie glaube, es würde Gewalt hervorrufen. Sie blieb jedoch wieder jedweden Nachweis schuldig, der diese Behauptung unterstützen könnte.
Der Gebrauch von nicht nachweisbaren, ungenauen und nebulösen Daten ist, neben den drastischen Beschreibungen von Gewalt, eines der meist genutzten rhetorischen Werkzeuge von Prostitutionsgegnern. Sie präsentieren als Fakten, was meist wenig mehr ist als Einzelberichte, Zeitungsausschnitte oder Forschungsberichte, über die keinerlei Informationen existieren, was ihre Methodik oder ihren Forschungsrahmen anbetrifft.
Üblich ist auch solche angeblichen Fakten zu benutzen, um pauschale Urteile über extrem vielschichtige Zusammenhänge zu fällen, etwas, das Frau A durch ihren gesamten Vortrag hinweg tat. Ihr zufolge machten die Frauen, die sie angetroffen hatte, „alle ähnliche Erfahrungen“, die so von „allen Frauen, die in der Sexindustrie arbeiteten“ gemacht würden. Die ‚Trostfrauen‘, die Prostituierten in den Rotlichtvierteln nahe der amerikanischen Militärstützpunkte in Korea, und die, die in der heutigen Sexindustrie arbeiten – sie alle erleiden dieselbe Unterdrückung, die von einer „patriarchalischen Gesellschaft, die abgeschafft werden muss“, hervorgerufen wird. Daher „sollten alle Menschen diese Art von Verbot unterstützen“. Offen gesagt, ich verlor aus den Augen wie viele Male Frau A das Wort „alle“ benutzte.
6. Am Ende der Diskussionsrunde hob ich meine Hand, um eine Frage zu stellen.
„Vielen herzlichen Dank für Ihren Vortrag und dafür, dass Sie uns von Ihren Erfahrungen erzählt haben. Ich würde gerne einen Kommentar abgeben und eine Frage stellen. Erstens würde ich gerne auf Ihre Aussage antworten, dass nur weiße Prostituierte gutes Geld in der Sexindustrie verdienen würden. Ich möchte diese Behauptung gerne widerlegen. Ich weiß von einheimischen Prostituierten in Thailand und Südkorea, die viel Geld verdienen, so dass es zumindest zwei Länder gibt, für die Ihre Annahme nicht korrekt ist.
Zweitens möchte ich gerne sagen, dass ich keinen Grund sehe, die schrecklichen Geschichten, die Sie hier heute erzählt haben, anzuzweifeln. Ich würde Sie jedoch gerne fragen, wie sie sich die Existenz der globalen Bewegung für die Rechte von Sexarbeiter/innen erklären. Diese Bewegung existiert nicht nur in reichen Industrienationen, sondern auch in Ländern wie Südafrika, Indien, Kambodscha, und sogar in Südkorea. Mir ist bekannt, dass Sexarbeiter/innen manchmal dazu gezwungen werden, bei Protestkundgebungen für eine Entkriminalisierung oder Legalisierung von Prostitution teilzunehmen. Ich kenne jedoch viele Sexarbeiter/innen, die freiwillig bei solchen Protesten teilnehmen. Wenn die Zustände überall so schlecht sind wie Sie sie beschrieben haben, wie erklären Sie sich dann, dass Sexarbeiter/innen für ihr Recht unter solchen Bedingungen zu arbeiten protestieren?“
Protest von Sexarbeiter/innen in Seoul am 22. September 2011 (Foto AP)
Frau A reagierte auf meine Frage wie der Profi, der sie ist. Sie begann ihre Antwort damit, zu sagen, dass meine Frage eine „sehr wichtige“ sei, lenkte dann aber vom Thema ab, wie sie es schon bei der Frage nach ihrer Meinung über gesetzliche Alternativen zu Verboten getan hatte.
Dieses Mal beschrieb sie einen Fall einer koreanischen Waisen, die von ihren Pflegeeltern misshandelt worden war und keinerlei Schulbildung genossen hatte. Als sie heranwuchs, begann sie als Haushaltshilfe zu arbeiten und wurde später mit falschen Versprechungen in die Prostitution gelockt. Als sie sich der Arbeit verweigerte, wurde sie von einer Gruppe von Zuhältern vergewaltigt. Innerhalb der folgenden beiden Jahre verwandelte sie sich jedoch in eine Luxus-Prostituierte, die jedwede sexuelle Handlung leistete, die angefragt wurde, und verdiente damit viel Geld. (Hatte nicht Frau A vorher gesagt, dass nur weiße Prostituierte gutes Geld verdienen würden?) Als sie genügend Geld angespart hatte, um sich von dem Besitzer des Bordells, in dem sie arbeitete, freizukaufen und ihre Freiheit wiederzuerlangen, überredete sie ein Zuhälter zu einer Fehlinvestition, infolge derer sie ihr gesamtes Geld verlor.
An diesem Punkt ihrer Erzählung angelangt, erregte sich Frau A und erklärte, dass Frauen wie die in ihrem Beispiel keine Wahl bliebe als diese Art von Arbeit zu verrichten. „Wir können nicht sagen, dass sie so arbeiten wollen“, wenn sie keine andere Wahl haben. „Das ist nicht nur eine Angelegenheit in Südkorea. Andernorts ist es noch schlimmer.“
In aller Fairness, Frau A ging nicht so weit, mich der Förderung der Prostitution anzuklagen, eine ansonsten häufige Reaktion von Prostitutionsgegnern, wenn andere ihre Behauptungen widerlegen oder andeuten, dass jemand tatsächlich vorziehen könnte, sexuelle Dienstleistungen zu verkaufen. Ihre Antwort diente jedoch dem gleichen Zweck. Mithilfe dieses weiteren schlimmstmöglichen Falls, um die widerwärtigen Zustände in der Sexindustrie darzustellen, war sie meiner Frage ausgewichen und hatte ein weiteres Mal ihrer Botschaft Nachdruck verliehen, dass die Sexindustrie immer von ausbeutender Qualität ist und dass Prostituierte ohne Ausnahme „immer Missbrauchsopfer“sind, die der Rettung bedürfen.
Weiße Jungs bringen’s gefälligst nicht
Nachdem die Diskussionsrunde geendet hatte und Frau A gegangen war, näherte ich mich der Frau, die sie nach den Gesetzesmodellen in anderen Ländern gefragt hatte. Ich fand heraus, dass sie eine kanadischstämmige Asiatin war und die Freundin eines der Organisatoren der Veranstaltung. Laut eigener Aussage hatte sie sich „viele Jahre lang mit dieser Angelegenheit beschäftigt“. Ich sagte zu ihr, dass ich fand, dass sie eine gute Frage gestellt hatte, und dass Frau A meines Erachtens nicht auf meine Frage geantwortet hatte. Sie antwortete: „Na, auf meine Frage hat sie auch nicht wirklich geantwortet.“ In Bezug auf meine Frage fuhr sie dann fort, dass ihr „bewusst sei, wie umstritten dieses Thema ist“ und dass „Sexarbeiter in Kanada sehr lautstark“ seien in ihrem Protest für ihre Rechte. Wir fuhren fort mit einer Diskussion über ihre Sicht, dass „meinen Körper zu verkaufen“ sie zum Objekt machen würde und dass „das Problem [der Prostitution] von der Nachfrage angetrieben sei“.
Als sie begann, Statistiken zu erwähnen, fragte ich nach ihren Quellen und versuchte zu meine Sicht zu erklären, dass, wenn es um einen informellen Sektor geht wie bei der Sexindustrie, Statistiken fast immer Hochrechnungen von Nachforschungen darstellen, die allzu oft sowohl fragwürdig und von eingeschränkter Bedeutung sind (siehe 5.), als auch potenziell voreingenommen, abhängig davon, wer das Forschungsprojekt finanziere. Während ich jedoch versuchte mich zu äußern, unterbrach sie mich mehrmals und sagte schließlich im Scherz, zu einem anderen Teilnehmer gewandt, „Komm und hilf mir bitte.“ und „Oh Du meine Güte, so weit ist es schon gekommen, dass ich mich vom weißen Mann retten lassen muss.“
Es stellte sich heraus, dass der ‚weiße Mann‘ aus Neuseeland stammte, und ich erfuhr später, dass er ein Aktivist für eine berühmte Menschenrechtsorganisation war.* Er war im Begriff zu gehen, und, in eine andere Richtung blickend, trocken sagte: „Nein, danke. Ich will meine Zeit nicht verschwenden.“
Als ich ihn ruhig fragte, warum er das sagen würde, begann er mich zu anzugreifen und fragte mich, wie ich „als Mann hier herkommen“ und so reden könne wie ich es getan hatte. Als ich ihn fragte, ob er damit meinte, dass ich aufgrund meines Geschlechts nicht das Recht hätte, meine Meinung zu äußern, machte er einen Rückzieher.
Um zu versuchen ihn zu einer Diskussion zu ermutigen, erwähnte ich meine vorherige Tätigkeit bei einer Grasswurzel-Organisation, die Jugendliche im ländlichen Norden Thailands fördert, was er anerkannte. Aber als ich zum Thema des Abends zurückkehrte und erklärte, dass ich es seltsam fand, die heutige Sexindustrie mit der Zwangsprostitution während eines Krieges vor über 60 Jahren zu verknüpfen, reagierte er empört und fragte mich, warum ich über „das eine Prozent reden würde bei denen die Sachlage anders wäre“.
Ich hatte keine Gelegenheit zu fragen, ob er von dem 1% von Sexarbeiter/innen sprach, die Arbeitsverträge in Deutschland haben, oder vielleicht von dem 1% von Sexarbeiter/innen auf der Welt, von denen er annimmt, dass sie vielleicht wirklich freiwillig tätig sind, aber ich fand es schon einen interessanten Punkt an sich, dass ein Menschenrechtsaktivist mich fragte, warum ich nicht die Menschenrechtsverletzungen an einer Minderheit ignorieren wolle.
Wie ich noch versuchte zu antworten, fuhren die beiden fort ihrer Empörung Luft zu machen, und als ich sie schließlich darauf hinwies, machten sie sich über mich lustig. „Oh, kann der Mann seinen Satz nicht zu Ende bringen?“ Zu diesem Zeitpunkt ließen die Organisatoren wissen, dass der Veranstaltungsort nun schließen würde, und so beschloss ich, es dabei zu belassen.
Frau A hatte die Situation perfekt inszeniert und sie hätte sich keine treueren Gefolgsleute wünschen können.
Organisationen für die Rechte von SexarbeiterInnen (Image: Matt Lemon)
Epilog
Um weitere Unannehmlichkeiten zu vermeiden, wählte ich eine andere Route, um zur U-Bahn-Station zu gelangen. Doch als ich von einer Linie in eine andere umstieg, lief ich natürlich direkt der Kanadierin über den Weg. Sie lächelte unbehaglich und sagte: „Oh, wir sitzen ja im selben Zug.“, worauf ich zynisch lächelnd entgegnete: „Na, das ist sicherlich nicht metaphorisch gemeint.“
*Passagen in Anführungszeichen sind, wo nicht anderweitig vermerkt, Übersetzungen von zitierten Aussagen, die ich während der Veranstaltung aufgezeichnet habe.
Update: Angaben zu der Identität von Frau A und dem Herrn aus Neuseeland finden Sie in der englischen Version dieses Berichts. Ich werde die deutsche Version in Kürze aktualisieren.
**Da die Veranstaltung zweisprachig abgehalten wurde, gingen einige Details durch die Übersetzung verloren. Ich hatte keine Gelegenheit herauszufinden, ob diese Organisation die gleiche war, deren Direktorin sie später wurde.
Danksagung
Ich möchte mich an dieser Stelle herzlichst bei meinem Vater Herrn Christoph Lehmann bedanken, der wie so oft weder Zeit noch Mühen gescheut und meinen Text Korrektur gelesen hat.
21. Februar – Was Leute denken, das ich tue / Was ich wirklich tue
〈Bild durch Anklicken vergrößern〉
Das obige Bild ist angelehnt an das populäre Internet-Meme “What People Think I Do / What I Really Do” (Was Leute denken, das ich tue / Was ich wirklich tue). Ein Bild besteht aus jeweils sechs Einzelbildern, die darstellen wie andere und man selbst den Beruf oder das Feld, in dem man tätig ist, wahrnehmen, bzw. welche Vorurteile darüber existieren, und wie im Gegensatz dazu die Realität aussieht. Eine nahezu unendliche Sammlung solcher Bilder finden Sie auf Knowyourmeme, sicher auch für Ihren Beruf. Die Süddeutsche Zeitung veröffentlichte kürzlich dieses Meme über den Ex-Bundespräsidenten Christian Wulff.
28. Januar – Vorankündigung
In der Höhle des Löwen: Ein Abend unter Prostitutionsgegnern
Sonderbericht des Forschungsprojekts Korea
Die englische Version dieses Sonderberichts steht jetzt hier für Sie bereit. Ich bitte um Ihr Verständnis, dass die Übersetzung einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Vielen Dank.
Vergewaltigung (2011) Azi, Iranische Künstlerin, Open Art Studio
16. Januar – Up-and-Downdate
Sieben Wochen sind vergangen seit meinem letzten Eintrag, und somit ist es höchste Zeit für einen Einblick in das, was sich in der Zwischenzeit erreignet hat.
Forschungsassistentin
Nachdem ich erfolgreich eine neue Forschungsassistentin gefunden hatte, da die Zusammenarbeit mit der vorherigen nicht gut funktioniert hatte, schien nun alles recht schnell zu gehen. Im Handumdrehen war das erste Interview arrangiert, das wir jedoch kurzfristig absagen mussten, da sich unsere Gesprächspartnerin am Tage des Interviews leider nicht wohl fühlte. Kurz darauf erkrankte dann meine neue Assistentin an einer Lungenentzündung, und so mussten wir die Pläne für jedwede Interviews vorerst verschieben.
Unterkunft
Anfang Dezember zog ich von meiner ursprünglichen Unterkunft ausserhalb Seouls zu meiner Bekannten Caroline Key, die zur Zeit einen Film produziert, der sich unter anderem mit Sexarbeiter/innen (Prostituierten) in Korea beschäftigt. Grosszügig stellte sie mir ein Zimmer in ihrem hübschen Apartment in Ahyeon-dong zur Verfügung, einem Viertel nahe der Ewha Frauenuniversität. Ich erstelle dieses Update, während ich an einem Tisch in ihrem Wohnzimmer sitze, von dem ich den Namsan oder Südberg sehen kann, einen 262m hohen Berg im Herzen Seouls. (siehe unten)
Ende dieses Monats werde ich näher an den Namsan heranziehen, denn ich werde in eine Wohngemeinschaft eines linken Wohnprojekts in Haebangchon einziehen, einem Viertel, das bei ausländischen Einwohnern Seouls sehr beliebt ist; meine Mitbewohner werden jedoch alle Koreanerinnen und Koreaner sein, sodass ich gezwungen sein werde, mein Koreanisch zu verbessern.
In der Höhle des Löwen – In Kürze!
In der ersten Dezemberhälfte besuchte ich eine Ausstellung und einen Workshop zu den Themen „sexuelle Sklaverei, Menschenhandel, und Gewalt und Unterdrückung gegen Frauen“ (wörtliche Übersetzung der offiziellen Ankündigung). Ein detaillierter Bericht über diese Veranstaltung folgt in Kürze in einem separaten Update.
Visa Verlängerung
Kurz vor Weihnachten lief mein Visum ab. Da ich weder mit einer Universität noch mit einem Forschungsinstitut affiliiert bin, halte ich mich in Korea zur Zeit mit Touristenvisa auf, die jeweils für 90 Tage gültig sind. Solche Visa können nicht innerhalb Koreas verlängert werden, es sei denn, es liegt ein Notfall vor. Daher wählte ich die billigste Variante und reiste per Zug und Fähre von Seoul über Busan nach Fukuoka im Süden Japans – finanziert durch meine eigenen Ersparnisse, und nicht etwa durch Spendengelder, sollte ich hinzufügen. Bei meiner Rückkehr nach Korea erhielt ich dann ein neues 90-Tage-Visum, das bis Ende März gültig sein wird.
Fukuoka
Obwohl ich nur für zwei Nächte in Fukuoka blieb, bekam ich doch einen kleinen Eindruck des Rotlichtmilieus in einer von Japans verkehrsreichsten Hafenstadt. Die Photos (siehe unten) wurden tagsüeber in Fukuokas Rotlichtviertel Nakasu aufgenommen. Vor den meisten Etablissements sind Hochglanzmagazine frei erhältlich, in dene die Frauen abgebildet sind, die dort arbeiten. Da Prostitution in Japan verboten ist, funktioniert das System üblicherweise folgendermassen: Gäste bestellen etwas zu essen oder zu trinken zu künstlich erhöhten Preisen und können dann wählen, welche der Frauen sich dann zu ihnen hinzusetzen. Was darüberhinaus passiert (und ausserhalb des Etablissements) ist dann Verhandlungssache zwischen jedem Gast und der Begleiterin seiner Wahl. Die Frauen erhalten üblicherweise ein Grundgehalt, zu dem sie weiter hinzuverdienen können abhängig davon, wieviel Umsatz sie für das Geschäft generieren. Jedwede weitere Bezahlung, die sie mit den Gästen aushandeln, gehört ihnen, obwohl das von Fall zu Fall unterschiedlich sein kann.
Zurück in Korea fahre ich nun damit fort, für mein Projekt relevante Materialien zu lesen und mein Netzwerk sowohl mit Sexarbeiterinnen und -arbeitern als auch mit Sexarbeitaktivistinnen und –aktivisten zu intensivieren. Facebook, mit all seinen Mängeln, wenn es um die sich dauernd verändernden Sicherheitseinstellungen geht, ist eine dafür sehr nützliche Informationsquelle geworden, denn viele Sexarbeiter und –aktivisten sind dort aktiv. Einige der Artikel, die ich lese, sind auf der Facebook-Seite des Forschungsprojekts Koreas zu sehen. Bei Interesse an weiteren Materialien, bitte ich dort einen Kommentar zu hinterlassen oder mir eine E-Mail an yongsagisa(at)gmail.com zu schicken.
Team
Abgesehen von meiner Person besteht das Forschungsprojekt Korea-Team nun aus meiner Forschungsassistentin Frau Hanna Park, die als Übersetzerin fungiert und hilft, die Interviews zu arrangieren, und Frau Haeryung Choi, die als zusätzliche Assistentin von England aus mitarbeitet. Sie ist für die Niederschift von Aufnahmen der Interviews verantwortlich, die sie auch übersetzt.
Ich suche nun nach einer neuen Zeichnerin für unser Team (siehe unten), da die vorhergehende vom unserem Projekt zurückgetreten ist. Darüberhinaus ist angedacht, eine/n Sexarbeiter/in mit in das Team aufzunehmen, sollten wir jemanden finden, der oder die daran Interrese zeigt.
Zeichnerin gesucht für Comicbuch Projekt (graphic novel)
Aufgabe: Entwicklung eines Comicbuchs im Rahmen meines Forschungsprojekts über die Menschenrechte von Sexarbeiter/innen
Anforderungen: Kreativität, um die Handlung auf den Geschichten der Sexarbeiter/innen basierend zu entwickeln; gute Englischkenntnisse; Zuverlässig- und Ehrlichkeit; Weibliche Bewerberinnen bevorzugt wegen der Materie des Projekts.
Für weitere Informationen, bitte eine E-Mail an Matt unter yongsagisa(at)gmail.com senden.

Interviews
Im folgenden werde ich nun kurz umreissen, wie es mit dem Projekt weitergehen wird. Unser erstes Interview wird endlich an diesem Wochenende stattfinden. Ich werde die Reaktionen unserer Gesprächspartnerin dazu verwenden, Themen und Fragen hinzuzufügen oder zu entfernen auf meiner Liste für Interviews mit Sexarbeiter/innen und Sexarbeitaktivist/innen, welche die erste Phase des Projekts repräsentieren. Ich habe bereits eine positive Reaktion von einer europäischen Sexarbeiterin erhalten, und bevor wir weitere Interviews arrangieren, werde ich die Fragen nun mit einer südkoreanischen Sexarbeiterin nochmals überprüfen, um sicher zu sehen, dass keines der Themen ein ernsthaftes Problem während einer Interviews darstellen könnte.
In der zweiten Phase des Projekts werden wir dann Vertreter der südkoreanischen Regierung und von relevanten Nicht-Regierungs-Organisationen interviewen. Die Fragen an diese werden auf den Erkenntnissen aus den Interviews der ersten Phase basieren.
Zeitplan
Die erste Phase wird vermutlich noch bis weit in den März andauern; die zweite Phase sollte Ende April abgeschlossen sein. Die Publikationen, die auf der Basis der Forschungsegebnisse geplant sind, hoffe ich gegen Ende Juni fertigstellen zu können. Weitere Informationen über die Publikationen werden noch in einem separaten Update folgen.
Sollten Sie/Solltet Ihr erwartet haben, dass das Projekt weitaus früher beendet hätte beendet sein sollen, dann stehen Sie/steht Ihr mit dieser Meinung damit nicht allein da. Ich hatte geplant, das Projekt eventuell bis Ende Februar abschliessen zu können, aber durch die Veränderungen in meinem Team und durch weitere unglückliche Umstände haben viele Dinge mehr Zeit verschlungen.
Ich gebe zu, dass es zum Teil frustrierend war, aber ich werde mich weiterhin vollkommen für das Projekt einsetzen. Aufgrund der Schwierigkeiten und Verzögerungen habe ich diesem Update den Titel „Up-and-Downdate“ gegeben, doch eigentlich wäre „Down-and-Update“ passender gewesen, denn nun, da ich zwei qualifizerte und engagierte Assistentinnen habe, geht es definitiv vorwärts.
Unterstützung
Ich bin jedweden Fragen und Kommentaren gegenüeber aufgeschlossen, sowohl hier als auch auf der Facebook-Seite des Projekts, und ich begrüsse jede Unterstützung, sei es durch das Weiterempfehlen meiner Blogs und der Facebook-Seite an Freunde und Kollegen, durch das Austauschen und relevanten Quellen, oder durch eine Spende für mein Projekt.
Demnächst: In der Höhle des Löwen: Ein Abend unter Prostitutionsgegnern
26. November – Forschungsassistentin gesucht und gefunden!
Dank Facebook, Twitter und WordPress, und natuerlich auch durch die Hilfe von allen, die die Nachricht weitergeleitet haben, hat es nur eine gute Woche gedauert, bis ich eine neue Forschungsassistentin gefunden haben. Weitere Neuigkeiten folgen im Verlauf der naechsten Wochen!
20. November – Forschungsassistent/in gesucht
Aufgrund nicht vorhersehbarer Umstaende suche ich dringend eine/n neue/n Forschungsassistentin/ten. Die geeignete Person sollte in der Lage sein, Texte vom Koreanischen ins Englische zu uebersetzen (und umgekehrt), sowie als Dolmetscher/in bei Interviews zu fungieren.
Das Forschungsprojekt behandelt ein sensibles Thema, daher ist Offenheit bei Diskussionen, die Sexarbeit (Prostitution) betreffen, unabdingbar.
Da das Projekt unabhaengig und nicht-fuer-Profit durchgefuehrt wird, ist die Assistenzstelle unbezahlt. Spesen werden jedoch uebernommen und die oder der Assistent/in wird in der abschliessenden Publikation namentlich erwaehnt.
Diese Stelle ist insbesondere fuer Bewerber/innen mit guten oder exzellenten Englisch- und Koreanischkenntnissen geeignet, z.B. Studenten oder Absolventen der Studienbereiche Uebersetzung, Englisch oder Koreanistik, oder der Sozialanthropologie oder Soziologie, fuer die die Mitarbeit an diesem Projekt eine Bereicherung ihres Résumés darstellt.
Interessierte Bewerber/innen werden via Skype interviewt. Weitere Informationen auf Anfrage an photogroffee(at)gmail.com oder durch den Eintrag eines Kommentars auf diesem Blog.
2. Oktober – Spendenaufruf 2.0
Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu koennen, dass mein Mindest-Spendenziel von €1,045 (US$ 1,500) leicht uebererfuellt wurde. Ich bin jedoch weiterhin fuer jede Spende dankbar, da das urspruengliche Spendenziel allein fuer Reise- und Verpflegungskosten budgetiert war.
Zweiter Spendenaufruf | Forschungsassistentin
Ich habe daher einen zweiten Spendenaufruf gestartet, um zum einen die Aufwandsentschaedigung fuer meine Forschungsassistentin, Frau Se-in Park, zu finanzieren, und zum anderen einen Teil der Spesen abzudecken, die durch Interviews ausserhalb Seouls entstehen. Diese sind noetig, da ich anstrebe, sowohl ein moeglichst grosses Spektrum von Sexarbeiterinnen zu interviewen, als auch unterschiedliche Vertreter von Regierungs- und Nicht-Regierungs-Organisationen. Das neue Spendenziel betraegt €735 (US$1,000).
Ich moechte diese Gelegenheit nutzen, um allen Spenderinnen und Spendern zu danken, und all denen, die meinem Projekt auf Facebook und Twitter folgen. Sollten Sie mein Projekt bereits mit einer Spende unterstuetzt haben, schenken Sie dem neuen Spendenaufruf bitte keine weitere Beachtung. Sollten Sie jedoch geplant haben, mein Projekt zu unterstutzen, es jedoch bisher noch nicht in Angriff genommen haben, wuerde ich mich sehr ueber Ihre Spende freuen, um sowohl die Bandbreite meiner Forschung zu erweitern als auch meiner Assistentin eine angemessenge Aufwandsentschaedigung zukommen zu lassen.
30. September – Ankunft
Ankunft in Korea. Treffen mit Forschungsassistentin steht unmittelbar bevor. Kontakte und Feedback haben sich angenehm vermehrt. Weitere Updates folgen! Wenn Sie ueber weitere Updates automatisch informiert werden moechten, koennen Sie sie auf Facebook, Twitter, oder auf diesem Blog abonnieren (siehe Sign me up! unten rechts).
21. August – Vorbereitung
Die Spenden
Fuer mein Forschungsprojekt sind mir bislang $1.221 (€848) zur Verfuegung gestellt worden von Spendern aus Irland, Deutschland, der Schweiz, den Niederlanden, den Vereinigten Staaten, Suedkorea und Japan. Ich bedanke mich hiermit bei allen Spendern fuer die grosszuegige Unterstuetzung. Zum Erreichen meines Mindestspendenziels von $1.500 (€1.045) fehlen mir demnach noch $279 (€197). Fuer jegliche Unterstuetzung, um dieses Ziel zu erreichen, bin ich sehr dankbar.
Der Zeitplan
Seit gestern habe ich eine Flugreservierung. Ich werde am 23. September von Bangkok nach Seoul fliegen. Ein Spender hat sich entschlossen, die CO2-Emissionen meiner Flugreise durch eine Spende an die Organisation Atmosfair, Testsieger für Klimaschutz und CO2-Kompensation, zu neutralisieren. Somit wird mein Forschungsprojekt ein ‘gruenes’.
Oeffentlichkeitsarbeit & Netzwerk
Durch meinen Facebook-Auftritt und meine Email-Kampagne wurden die Blogeintraege ueber mein Projekt bislang ca. 1.000 Mal gelesen und ueber 600 Mal auf Facebook ‘geteilt’. Kommentare erreichten mich sowohl aus Suedkorea, Japan, Indien und Kambodscha, als auch aus den USA, Canada, Deutschland, Irland und weiteren Laendern. Durch vermehrtes ‘Posten’ auf einschlaegigen Facebook- und Webseiten und meiner Kontaktaufnahme via email sind bereits mehrere fuer das Projekt nuetzliche Kontakte entstanden.
Das Projekt ist nun auch auf Facebook zu verfolgen, auch wenn Sie selbst ueber kein eigenes Facebook-Konto verfuegen. Der Link zu meiner Facebookseite lautet: http://www.facebook.com/Research.Project.Korea
































































