Sex Work and Human Rights

Fernsehdebatte über die Abschaffung der Prostitution

Am 13. März strahlte der öffentlich-rechtliche Fernsehsender ARD die Sendung “Ob Billigsex oder Edelpuff: Schafft Prostitution ab!“ aus in der Reihe “Menschen bei Maischberger”, einer Talkshow mit Gastgeberin Sandra Maischberger. Die Gäste waren Alice Schwarzer, Gründerin und Herausgeberin des politischen Frauenmagazins EMMA, die Sexarbeiterin Kyra Kim, Prostitutionsgegnerin Sabine Constabel vom Sozialdienst für Prostituierte Stuttgart, Volker Beck, der menschenrechtspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion der Grünen, und Jürgen Rudloff, Unternehmer und Besitzer eines FKK-Clubs, in dem Sexarbeiterinnen selbständig arbeiten können. Als Überraschungsgast präsentierte Frau Maischberger Regina Braun, eine Frau deren Ehemann ihr mehrere Bordellbesuche gestanden hat. Mehr über die Gäste können Sie hier erfahren.

Nach der Sendung, und nachdem Alice Schwarzer einen Artikel mit dem sarkastischen Titel „Vom Glück sich zu prostituieren“ veröffentlichte, entwickelten sich erhitzte Debatten auf der offiziellen Webseite und der Facebook-Seite des EMMA-Magazins. Auf der Facebook-Seite wurden Kommentare von Sexarbeiter/innen und Andersdenkenden kurzerhand gelöscht, obwohl sie höflich und sachlich formuliert waren und zum Dialog einluden. Entgegen meinen Erwartungen, wurden meine Kommentare veröffentlicht, obwohl ich in Anbetracht der Sicherheit von Sexarbeiter/innen Partei für die Entkriminalisierung der Sexarbeit ergriff.

Der Artikel und die nachfolgende Leserdiskussion zeigte, dass viele der Leser nicht an Fakten interessiert waren. Dem „grünen Lackel“ Volker Beck empfahl eine Leserin „einen Satz heißer Ohren“ zu verpassen und einen wünschte sich einen „Eimer Kuhshit auf den falschen Anstand“. Dabei war es Volker Beck gewesen, der trotz ständiger Unterbrechungen von Alice Schwarzer stichhaltige Fakten präsentiert hatte. Andere wiederholten unablässig, dass sie Prostitution für unmoralisch hielten, blieben jedoch jedwede Antwort schuldig auf Fragen über die verminderte Sicherheit von Sexarbeiter/innen in Ländern, die Teilaspekte oder das gesamte Spektrum der Prostitution kriminalisierten.

Ein einziger Leser äußerte, dass, obwohl er selbst aus grundsätzlichen Erwägungen ein entschiedener Prostitutionsgegner sei, nur weitere Informationen und Diskussionen bei der Entscheidungsfindung über zukünftige Gesetze helfen könnten. Für meinen Beitrag zur Diskussion dankte er mir und wünschte alles Gute für meine Forschung. Ich schließe diese kurze Zusammenfassung der Ereignisse mit den Worten des Autors Dan Gardner. „Man muss nicht zustimmen. Man muss aber lesen.“

Hinweis: Sie können die noch aktiven Diskussionsfäden lesen, indem Sie die jeweiligen Verknüpfungen im Text anklicken.

Forschungsprojekt Korea, 10. April 2012

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