Sex Work and Human Rights

Über das Projekt

+++ Die aktuelle Version ist leider nur in englischer Sprache abrufbar. +++

Matthias Lehmann ››

Matthias Lehmann ist ein deutscher Forscher und Mitglied des Internationalen Kommittees für die Rechte von Sexarbeiter*innen in Europa (ICRSE), mit derzeitigem Wohnsitz in Belfast. Er absolvierte einen Bachelor-Studiengang in Koreanistik an der Schule für Orientalistik und Afrikanistik (School of Oriental and African Studies, SOAS, ein College der Universität London) und einen Master-Studiengang in Internationalen Beziehungen am Graduiertenkolleg für Friedensforschung (Graduate Institute of Peace Studies, GIP, Kyung Hee Universität, Südkorea).

Durch die Forschung für seine Master-Arbeit, die sich mit Menschenhandelsprävention beschäftigte, wurde er auf die Kollateralschäden von Gesetzen gegen Menschenhandel und Prostitutionsgesetzten aufmerksam, insbesondere die Lage von Sexarbeiter*innen und Migrant*innen betreffend. Seit 2014 setzt er seine Forschung als Doktorand an der juristischen Fakultät der Queens Universität Belfast (QUB) in Nordirland fort. Seine aktuelle Forschung beschäftigt sich mit der Regulierung von Prostitution in Deutschland. Mit diesem Blog möchte Herr Lehmann weiterhin zum Wissensstand über die Erfahrungen von Sexarbeiter*innen in Südkorea beitragen.

Forschungsteam ››

Frau Haeryung Choi ist koreanische Staatsbürgerin und arbeitet als Forscherin im Feld der internationalen Entwicklungsarbeit. Frau Choi ist verantwortlich für die Niederschrift und Übersetzung von aufgezeichneten Interviews und anderer Dokumente. Frau Hanna Park ist ebenfalls koreanische Staatsbürgerin und Leiterin der Zahnklinik eines Krankenhauses. Sie widmet ihre Freizeit humanitären Zwecken als freiwillige Helferin. Frau Park fungierte als Herr Lehmann’s Assistentin und Dolmetscherin.

Hintergrund des Forschungsthemas ››

In seiner Master-Arbeit mit dem Titel “Die Transnationalisierung einer Thailändischen Graswurzel-Nichtregierungsorganisation: Ein umfassender Ansatz der Menschenhandelsprävention” bewertete Herr Lehmann Maßnahmen gegen den Menschenhandel und die Zielsetzungen verschiedener zivilgesellschaftlicher Gruppen, die sich in der globalen Anti-Menschenhandels-Bewegung engagieren. Ausgelöst durch seine Forschungsergebnisse und durch die Proteste von Sexarbeiter*innen in Seoul entwickelte er den Plan für das Forschungsprojekt Korea, um die Auswirkungen des koreanischen Gesetzes gegen den Sexhandel auf die Menschenrechte von Sexarbeiter*innen (Prostituierten) in Südkorea zu untersuchen.

Dieses Thema ist von besonderer Bedeutung angesichts der Tatsache, dass viele Regierungen die Rechte von Sexarbeiter*innen nicht anerkennen. Sexarbeiter*innen, die nicht Opfer von Menschenhändlern sind, werden oft diskriminiert, indem ihnen der Schutz, der anderen zukommt, nicht zugestanden wird. Sexarbeiter*innen engagieren sich heute weltweit, um die Aufmerksamkeit auf die schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen zu richten, denen sie ausgesetzt sind, und treten für eine sinnvolle Bekämpfung des Menschenhandels ein.

Die Verschmelzung der Bekämpfung des Menschenhandels mit Kampagnen, die sich die Abschaffung der Sexindustrie zum Ziel setzen, hat unausgewogene Gesetzgebungen hervorgebracht, die die Mehrheit von versklavten Menschen ausser Acht lassen und die Sexindustrie vielerorts weiter in den Untergrund treibt. Dadurch wird sie nicht nur schwerer kontrollierbar, sondern Sexarbeiter*innen werden auch aus ihren sichereren Netzwerken vertrieben. Die Entkriminalisierung oder Legalisierung von Sexarbeit ist heftig umstritten. Dieses Projekt hat es sich zum Ziel gesetzt, zu dem Wissensstand beizutragen, der für zukünftige Entscheidungsprozesse nötig ist.

Publikationen ››

Das Forschungsprojekt Korea plante, eine Graphic Novel zu veröffentlichen, die die Erfahrungen von Sexarbeiter*innen in Südkorea wiedergeben sollte, ein Vorhaben, das die Unterstützung von koreanischen Sexarbeiterinnen fand, die wir interviewten. Leider mussten wir den Plan zurückstellen, da keine*r der Zeichner*innen, mit denen wir Anbahnungsgespräche durchführten, geeignet waren oder aber sich den terminlichen Umständen der mitarbeitenden Sexarbeiterinnen nicht anpassen konnten.

Stattdessen veröffentlichten wir eine Foto-Reihe von Yeoni Kim und einen Brief von Hyeri Lee, um Leserinnen und Lesern einen Einblick aus erster Hand in das Leben und die Arbeit von Sexarbeiterinnen in Südkorea zu ermöglichen.

Abgesehen von diesem Blog veröffentlicht Forschungsprojekt Korea auch Nachrichten zum Thema Sexarbeit via Facebook and Twitter, sowie Videos auf Vimeo und Audio-Dateien auf Mixcloud.

Budget ››

Das Forschungsprojekt Korea ist ein unabhängiges Projekt und keiner Universität oder Organisation angehörig. Es wird ausschließlich durch Herrn Lehmann selbst und durch begrenzte private Spenden finanziert. Diese erfolgten nach Spendenaufrufen, von denen einer vor dem Beginn des Projekts veröffentlicht wurde, und ein weiterer vor Herrn Lehmanns Teilnahme am Sex Workers‘ Freedom Festival in Kalkutta in Indien. Zu diesem Zeitpunkt veröffentlichten wir auch Informationen, um auf die Spendenaktion südkoreanischer Sexarbeiterinnen hinzuweisen, die ebenfalls am Festival teilnahmen.

Der Forschungsaufenthalt in Südkorea betrug 12 Monate. Die erhaltenen Spenden wurden für Reisekosten, Visagebühren, Spesen, die durch die Interviews anfielen (Raummiete, Verpflegung), sowie Telefon- und Internetkosten aufgewendet. Die Befragten wurden nicht für ihre Teilnahme an diesem Forschungsprojekt bezahlt und wurden darüber informiert, bevor unsere Treffen stattfanden. Vor jedem Interview erhielten die Teilnehmer/innen ein Faltblatt, das Informationen über das Projekt aufführte, darunter den Namen des Projekts, die Zielsetzung und Verwendung der Interviews, die Namen der Mitarbeiter und deren Hintergründe, und die Interviewmethode, sowie die Rechte der Befragten während und nach den jeweiligen Interviews.

Ein weiterer, kleinerer Spendenaufruf wurde 2013 gestartet, um die Übersetzung eines Artikels zu finanzieren, den wir leider ohne Erfolg versuchten, in einer koreanischen Tageszeitung zu platzieren. Er wird in näherer Zukunft online bereitgestellt werden.

Was koreanische Sexarbeiterinnen über dieses Projekt sagen ››

Die folgenden Statements sind Aussagen koreanischer Sexarbeiterinnen, die freundlicherweise an diesem Projekt teilnahmen. Sie gaben uns ihre ausdrückliche Zustimmung, Ihre Statements und ihre Namen zu veröffentlichen.

(Koreanisches Original) Matthias Lehmann 은 제가 그동안 운동을 하며 만났던 한국의 기자나 연구자와는 달리, 우리의 인권과 노동권을 제일 먼저 생각하는 사람이었습니다. 그는 단 한번도 성노동자를 자신을 위해 ‘소비’ 하지 않았습니다. 그는 인터뷰 전, 인터뷰에 대한 개괄적인 설명과 함께, 이 인터뷰는 나의 사생활을 지켜줄 것이며, 내가 말한 것을 왜곡하지 않을 것이라는 약속을 종이 한 장 빼곡히 적어 주었습니다.

(Deutsche Übersetzung) Matthias Lehmann hat andere Ansichten über Sexarbeit als koreanische Journalisten oder Forscher, die ich während der Jahre, die ich als Aktivistin tätig bin, getroffen habe. Er sieht die Menschen- und Arbeitsrechte von Sexarbeiterinnen als Prioritäten an. Er hat Sexarbeiterinnen nie als Mittel benutzt, um sich selbst oder seine Forschungsaktivitäten in den Mittelpunkt zu stellen. Vor unserem Interview beschrieb er mir, auf welche Art und Weise es durchgeführt würde, und gab mir ein Faltblatt, auf dem die Regeln für das Interview festgelegt waren, die meine Privatsphäre beschützen und Verzerrungen meiner Aussagen vorbeugen würden.

Yeoni Kim, Sexarbeiterin und Aktivistin, Seoul

(Koreanisches Original) 마티아스는 사전에 인터뷰에 대한 충분한 설명을 해주었고, 설문지에 본인과 제가 함께 서명하여 그 내용이나 단서조항(일체의 비밀보장 등의 내용)을 언제든지 확인할 수 있도록 그와 내가 각각 한부씩 나누어가졌습니다 인터뷰는 제 직업 및 일의 장단점, 한국의 성노동 상황, 성매매 특별법 이후의 취약점, 그리고 일에 관한 다방면에서의 접근 및 조사 (연구) 였습니다. 일단 편견이 없이 객관적이면서도 예리한 질문들에 간만에 즐거운인터뷰 시간을 가졌습니다. 인터뷰 내내 그는 유쾌했고 정중했으며 한시도 놓치지 않고 경청하는 자세를 보였습니다.

(Deutsche Übersetzung) Vor dem Interview erklärte mir Matthias ausführlich was er mit seinem Projekt bezwecke und warum das Interview dafür nötig sei. Er händigte mir ein Faltblatt aus, das Informationen darüber beinhaltete, welche Rechte ich während des Interviews innehätte, wie z.B. das Recht auf Diskretion und Anonymität usw. Ich wurde befragt, welche Vor- und Nachteile es in meinem Beruf gäbe, welche Situationen und Bedingungen ich in der koreanischen Sexindustrie erlebt hätte, und welche möglichen Auswirkungen das ‚Besondere Prostitutiongesetz‘ seit seiner Verabschiedung gehabt hätte. Darüber hinaus unterhielten wir uns intensiv über Aspekte der Forschung über Sexarbeit. Ich wurde ohne jedwedes Vorurteil über meinen Beruf interviewt und empfand alle Fragen, die mir gestellt wurden, als scharfsinnig, objektiv, und wohldurchdacht. Ich empfand das Interview als durch und durch angenehm aufgrund Matthias‘ höflicher, aufmerksamer und freundlicher Art und Weise zuzuhören und auf alle meine Antworten und Fragen einzugehen.

Hyeri Lee, Sexarbeiterin und Aktivistin, Seoul

Lesen Sie weitere Informationen in unserem Beitrag Hinter den Kulissen.

2 responses

  1. Sophie

    Interessieren Sie sich eigentlich auch für das Leid der Frauen, die zur Prostitution gezwungen wurden und denen es ziemlich schlecht geht? Falls ja, könnten Sie sich Folgendes mal durchlesen:

    http://rmott62.wordpress.com/2012/08/23/your-justifications-are-killing-us

    October 30, 2012 at 10:46 am

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