Sex Work and Human Rights

Up-and-Downdate

Sieben Wochen sind vergangen seit meinem letzten Eintrag, und somit ist es höchste Zeit für einen Einblick in das, was sich in der Zwischenzeit erreignet hat.

Forschungsassistentin

Nachdem ich erfolgreich eine neue Forschungsassistentin gefunden hatte, da die Zusammenarbeit mit der vorherigen nicht gut funktioniert hatte, schien nun alles recht schnell zu gehen. Im Handumdrehen war das erste Interview arrangiert, das wir jedoch kurzfristig absagen mussten, da sich unsere Gesprächspartnerin am Tage des Interviews leider nicht wohl fühlte. Kurz darauf erkrankte dann meine neue Assistentin an einer Lungenentzündung, und so mussten wir die Pläne für jedwede Interviews vorerst verschieben.

Unterkunft

Anfang Dezember zog ich von meiner ursprünglichen Unterkunft ausserhalb Seouls zu meiner Bekannten Caroline Key, die zur Zeit einen Film produziert, der sich unter anderem mit Sexarbeiter/innen (Prostituierten) in Korea beschäftigt. Grosszügig stellte sie mir ein Zimmer in ihrem hübschen Apartment in Ahyeon-dong zur Verfügung, einem Viertel nahe der Ewha Frauenuniversität. Ich erstelle dieses Update, während ich an einem Tisch in ihrem Wohnzimmer sitze, von dem ich den Namsan oder Südberg sehen kann, einen 262m hohen Berg im Herzen Seouls. (siehe unten)

Ende dieses Monats werde ich näher an den Namsan heranziehen, denn ich werde in eine Wohngemeinschaft eines linken Wohnprojekts in Haebangchon einziehen, einem Viertel, das bei ausländischen Einwohnern Seouls sehr beliebt ist; meine Mitbewohner werden jedoch alle Koreanerinnen und Koreaner sein, sodass ich gezwungen sein werde, mein Koreanisch zu verbessern.

In der Höhle des Löwen – In Kürze!

In der ersten Dezemberhälfte besuchte ich eine Ausstellung und einen Workshop zu den Themen „sexuelle Sklaverei, Menschenhandel, und Gewalt und Unterdrückung gegen Frauen“ (wörtliche Übersetzung der offiziellen Ankündigung). Ein detaillierter Bericht über diese Veranstaltung folgt in Kürze in einem separaten Update.

Visa Verlängerung

Kurz vor Weihnachten lief mein Visum ab. Da ich weder mit einer Universität noch mit einem Forschungsinstitut affiliiert bin, halte ich mich in Korea zur Zeit mit Touristenvisa auf, die jeweils für 90 Tage gültig sind. Solche Visa können nicht innerhalb Koreas verlängert werden, es sei denn, es liegt ein Notfall vor. Daher wählte ich die billigste Variante und reiste per Zug und Fähre von Seoul über Busan nach Fukuoka im Süden Japans – finanziert durch meine eigenen Ersparnisse, und nicht etwa durch Spendengelder, sollte ich hinzufügen. Bei meiner Rückkehr nach Korea erhielt ich dann ein neues 90-Tage-Visum, das bis Ende März gültig sein wird.

Fukuoka

Obwohl ich nur für zwei Nächte in Fukuoka blieb, bekam ich doch einen kleinen Eindruck des Rotlichtmilieus in einer von Japans verkehrsreichsten Hafenstadt. Die Photos (siehe unten) wurden tagsüeber in Fukuokas Rotlichtviertel Nakasu aufgenommen. Vor den meisten Etablissements sind Hochglanzmagazine frei erhältlich, in dene die Frauen abgebildet sind, die dort arbeiten. Da Prostitution in Japan verboten ist, funktioniert das System üblicherweise folgendermassen: Gäste bestellen etwas zu essen oder zu trinken zu künstlich erhöhten Preisen und können dann wählen, welche der Frauen sich dann zu ihnen hinzusetzen. Was darüberhinaus passiert (und ausserhalb des Etablissements) ist dann Verhandlungssache zwischen jedem Gast und der Begleiterin seiner Wahl. Die Frauen erhalten üblicherweise ein Grundgehalt, zu dem sie weiter hinzuverdienen können abhängig davon, wieviel Umsatz sie für das Geschäft generieren. Jedwede weitere Bezahlung, die sie mit den Gästen aushandeln, gehört ihnen, obwohl das von Fall zu Fall unterschiedlich sein kann.

Forschung und Netzwerk

Zurück in Korea fahre ich nun damit fort, für mein Projekt relevante Materialien zu lesen und mein Netzwerk sowohl mit Sexarbeiterinnen und -arbeitern als auch mit Sexarbeitaktivistinnen und –aktivisten zu intensivieren. Facebook, mit all seinen Mängeln, wenn es um die sich dauernd verändernden Sicherheitseinstellungen geht, ist eine dafür sehr nützliche Informationsquelle geworden, denn viele Sexarbeiter und –aktivisten sind dort aktiv. Einige der Artikel, die ich lese, sind auf der Facebook-Seite des Forschungsprojekts Koreas zu sehen. Bei Interesse an weiteren Materialien, bitte ich dort einen Kommentar zu hinterlassen oder mir eine E-Mail an yongsagisa(at)gmail.com zu schicken.

Team

Abgesehen von meiner Person besteht das Forschungsprojekt Korea-Team nun aus meiner Forschungsassistentin Frau Hanna Park, die als Übersetzerin fungiert und hilft, die Interviews zu arrangieren, und Frau Haeryung Choi, die als zusätzliche Assistentin von England aus mitarbeitet. Sie ist für die Niederschift von Aufnahmen der Interviews verantwortlich, die sie auch übersetzt.

Ich suche nun nach einer neuen Zeichnerin für unser Team (siehe unten), da die vorhergehende vom unserem Projekt zurückgetreten ist. Darüberhinaus ist angedacht, eine/n Sexarbeiter/in mit in das Team aufzunehmen, sollten wir jemanden finden, der oder die daran Interrese zeigt.

Zeichnerin gesucht für Comicbuch Projekt (graphic novel)

Aufgabe: Entwicklung eines Comicbuchs im Rahmen meines Forschungsprojekts über die Menschenrechte von Sexarbeiter/innen

Anforderungen: Kreativität, um die Handlung auf den Geschichten der Sexarbeiter/innen basierend zu entwickeln; gute Englischkenntnisse; Zuverlässig- und Ehrlichkeit; Weibliche Bewerberinnen bevorzugt wegen der Materie des Projekts.

Für weitere Informationen, bitte eine E-Mail an Matt unter yongsagisa[at]gmail[dot]com senden.

Interviews

Im folgenden werde ich nun kurz umreissen, wie es mit dem Projekt weitergehen wird. Unser erstes Interview wird endlich an diesem Wochenende stattfinden. Ich werde die Reaktionen unserer Gesprächspartnerin dazu verwenden, Themen und Fragen hinzuzufügen oder zu entfernen auf meiner Liste für Interviews mit Sexarbeiter/innen und Sexarbeitaktivist/innen, welche die erste Phase des Projekts repräsentieren. Ich habe bereits eine positive Reaktion von einer europäischen Sexarbeiterin erhalten, und bevor wir weitere Interviews arrangieren, werde ich die Fragen nun mit einer südkoreanischen Sexarbeiterin nochmals überprüfen, um sicher zu sehen, dass keines der Themen ein ernsthaftes Problem während einer Interviews darstellen könnte.

In der zweiten Phase des Projekts werden wir dann Vertreter der südkoreanischen Regierung und von relevanten Nicht-Regierungs-Organisationen interviewen. Die Fragen an diese werden auf den Erkenntnissen aus den Interviews der ersten Phase basieren.

Zeitplan

Die erste Phase wird vermutlich noch bis weit in den März andauern; die zweite Phase sollte Ende April abgeschlossen sein. Die Publikationen, die auf der Basis der Forschungsegebnisse geplant sind, hoffe ich gegen Ende Juni fertigstellen zu können. Weitere Informationen über die Publikationen werden noch in einem separaten Update folgen.

Sollten Sie/Solltet Ihr erwartet haben, dass das Projekt weitaus früher beendet hätte beendet sein sollen, dann stehen Sie/steht Ihr mit dieser Meinung damit nicht allein da. Ich hatte geplant, das Projekt eventuell bis Ende Februar abschliessen zu können, aber durch die Veränderungen in meinem Team und durch weitere unglückliche Umstände haben viele Dinge mehr Zeit verschlungen.

Ich gebe zu, dass es zum Teil frustrierend war, aber ich werde mich weiterhin vollkommen für das Projekt einsetzen. Aufgrund der Schwierigkeiten und Verzögerungen habe ich diesem Update den Titel „Up-and-Downdate“ gegeben, doch eigentlich wäre „Down-and-Update“ passender gewesen, denn nun, da ich zwei qualifizerte und engagierte Assistentinnen habe, geht es definitiv vorwärts.

Unterstützung

Ich bin jedweden Fragen und Kommentaren gegenüeber aufgeschlossen, sowohl hier als auch auf der Facebook-Seite des Projekts, und ich begrüsse jede Unterstützung, sei es durch das Weiterempfehlen meiner Blogs und der Facebook-Seite an Freunde und Kollegen, durch das Austauschen und relevanten Quellen, oder durch eine Spende für mein Projekt.

Demnächst: In der Höhle des Löwen: Ein Abend unter Prostitutionsgegnern

Forschungsprojekt Korea, 16. Januar 2012

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