Sex Work and Human Rights

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In Pictures: 2017 Sex Workers’ Protest in Seoul

“We are the sex workers of Korea! Repeal the Anti-Sex Trade Laws!”

On October 24, 2017, sex workers rallied once again to call for the abolition of South Korea’s Anti-Sex Trade Laws, which came into force in 2004 and were upheld by the country’s Constitutional Court with a 6-3 majority ruling in 2016. On Tuesday, about 1,500 sex workers made their way from Daegu, Jeonju, Masan, Paju, Pohang, Pyeongtaek, Suwon and Wonju to join their colleagues at Sejongno Park in downtown Seoul to demand respect for sex workers’ human rights and the decriminalization of sex work. The event was organized by 한터 Hanteo, the National Union of Sex Workers. Ironically, Korean president Moon Jae-in had a meeting with union leaders on the same day, promising to closely cooperate with workers in developing his administration’s labour policies.

All photos © 2017 Matt Lemon Photography. All Rights Reserved. Image description below.

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1. Banner behind the stage of the massive sex worker protest in Seoul, organised by 한터 Hanteo, the National Union of Sex Workers. As the director of an English language institute pointed out on Twitter: “Better English here than on most ads coming from major Korean conglomerates.”

2. Massive turnout! Around 1,500 sex workers came from Daegu, Jeonju, Masan, Paju, Pohang, Pyeongtaek, Seoul, Suwon and Wonju to join the protest and demand respect for sex workers’ rights and the decriminalization of sex work.

3. A photo from the first-ever sex worker protest in Belfast in 2014 in front of the Stormont Parliament Buildings was on display at the sex worker protest at Sejongno Park in Seoul on October 24, 2017.

4. Sex worker activist 장세희 Jang Sehee greets fellow sex workers who came from all over Korea to join the protest in Seoul on October 24, 2017.

5. Drumming up support for sex workers’ rights! Amazing performance by 여성타악그룹 도도 (Women Percussion Group Exciting DoDo) at the sex worker protest in Seoul on October 24, 2017.

6. This lady’s placard calls on Korean president 문재인 Moon Jae-in to finally scrap laws criminalising sex work; while on her top it says, “Don’t judge a girl by her clothes”.

7. A Korean journalist busily typing away at yesterday’s sex worker protest in downtown Seoul. Over half of the media reports published so far include the term 성노동자 (seongnodongja, sex worker) – as opposed to 성매매 여성 (seongmaemae yeosong, lit. sex trade female; ‘seongmaemae’ being used interchangeably in Korean for both ‘prostitution’ and ‘sex trafficking’ [sic]).

8. “The Anti-Sex Trade Laws aren’t right” – Sex workers brought placards and provisions for yesterday’s protest in Seoul against the criminalization of sex work.

 

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Kommentar zum taz-Artikel „Debatte um Prostitution in Südkorea: Frau Kim kämpft um ihren Job“

Sex workers and allies protest in front of the South Korean Constitutional Court. © 2015 Research Project Korea. All Rights Reserved.

Sexarbeiter*innen und Unterstützer*innen protestieren vor dem südkoreanischen Verfassungsgericht. In der Mitte: Frau Kim Jeong Mi. © 2015 All Rights Reserved.

Due to time constraints, this article will not be translated into English. Please see a short summary at the bottom.

Kommentar zum Artikel „Debatte um Prostitution in Südkorea: Frau Kim kämpft um ihren Job“ von Fabian Kretschmer (taz, Politik/Asien, 1.8.2015).

Titel: Gut.

Prostitution wird als „Job“ bezeichnet, damit also Sexarbeit als Arbeit anerkannt.

Foto: Gut.

Gezeigt wird nicht etwa eins der üblichen Bilder von Bordellen, in denen in Südkorea nur noch vergleichsweise wenige Sexarbeiterinnen arbeiten, sondern ein Bild vom Protest südkoreanischer Sexarbeiterinnen im Jahr 2011. Noch besser wäre gewesen, es wäre ein Bild vom Protest im April diesen Jahres vor dem Verfassungsgericht verwendet worden. (siehe oben)

Bildunterschrift: Gut.

Ein direktes Zitat von Sexarbeiterin Kim Jeong Mi.

Terminologie: Mangelhaft.

Es wird höchste Zeit, dass die taz endlich die Begriffe Sexarbeit und Sexarbeiter/Sexarbeiterin in ihr Stilbuch aufnimmt. Südkorea „exportiert“ auch keine Sexarbeiter*innen, sondern diese nehmen die vergleichsweise geringeren – aber nicht geringen – Risiken auf sich, im Ausland zu arbeiten, weil die Verdienstmöglichkeiten dort oft besser sind als in Südkorea, wo ihnen ohnehin Razzien, Verhaftungen und Strafen drohen. Der Ausdruck „exportiert“ ist also sowohl unzutreffend – weil Südkorea ja nicht direkt die Migration von Sexarbeiterinnen unterstützt, sondern die harsche Gesetzeslage und die damit einhergehenden Repressionen Sexarbeiterinnen zur Migration zwingen – als er auch unpassend ist, denn Sexarbeiterinnen sind Menschen, die migrieren, keine Ware, die exportiert wird. Auch von einem Marktwert einer Sexarbeiterin zu schreiben, zeugt nicht gerade von Fingerspitzengefühl.

Fakten-Check: Ausreichend

1. Legalisierung vs. Entkriminalisierung

Was die Forderung von Sexarbeiterinnen angeht, ist der Artikel leider zu oberflächlich. Die Forderungen divergieren: wohingegen Frau Kim und die sie unterstützende Organisation Hanteo, Nationale Vereinigung für Sexarbeiterinen, für die Legalisierung regulierter Rotlichtbezirke eintritt, da Hanteo nämlich auch Betreiber*innen angehören, fordern unabhangige Sexarbeiter*innen und Giant Girls, Netzwerk für die Rechte von Sexarbeiterinnen, die generelle Entkriminalisierung der Sexarbeit. Die Unterscheidung zwischen diesen beiden Forderungen ist sehr wichtig und etwas, das man von Journalist*innen gerne erklärt sehen würde, damit Leser*innen die Thematik besser verstehen können.

2. „Kim … verklagte den südkoreanischen Staat“

Richtig ist: Frau Kim verteidigte sich gegen ihre Anklage mit den im Artikel erwähnten Argumenten und verlangte eine verfassungsrechtliche Überprüfung des Anti-Sexhandelsgesetzes, die Oh Won Chan, der Richter der Verhandlung beim Bezirksgerichts in Nord-Seoul, daraufhin einreichte. Dass ein Richter diese Überprüfung einreichte, macht sie so bedeutend, denn vorherige Anfragen zur verfassungsrechtlichen Überprüfung des Gesetzes wurden jeweils von Privatpersonen eingereicht.

3. Zahlen im Allgemeinen und im Speziellen

Die jüngsten Schätzungen – nichts anderes sind sie – sind nicht aus dem Jahr 2007, sondern von 2010. Sie wurden Anfang 2012 schließlich veröffentlicht. Der Bericht mit dem Titel “ Umfrage zum Sexhandel 2010” wurde vom Institut für Gender-Forschung an der Seoul National University angefertigt. Im Vergleich zum Bericht von 2007 hatte das Institut einen Anstieg der Rotlichtbezirke von 35 auf 45 und der Anzahl von dort beschäftigen Sexarbeiterinen von 3.644 auf 3.917 festgestellt. Dieser Anstieg passte natürlich dem auf die Utopie einer Abschaffung der Sexarbeit hinarbeitenden Ministerium nicht, weswegen er zunächst einmal in einer Schublade verschwand.

Nach eingehendem Vergleich mit dem Artikel Choe Sang-Huns in der New York Times – Suit Has South Korea Looking Anew at Its Hard Line on Prostitution – liegt der Verdacht nahe, dass hier schlicht eine gekürzte Version in deutscher Sprache veröffentlich wurde. So stammen die in Choes Artikel erwähnten 8.600 Fälle der Prostitution, in denen Südkoreas Polizei angeblich „derzeit“ ermittelt, vom Jahr 2013, und bei der Anzahl der Sexarbeiterinnen wurde offenbar auf glatte Summen aufgerundet. Das ist so ungenau wie es unnötig ist. Ebenso unnötig ist die Aussage, Prostitution sei in Südkorea „so allgegenwärtig wie in kaum einen anderen OECD-Staat“, denn es gibt keine verlässlichen Zahlen, auf die sich solche Behauptungen stützen ließen, auch in Südkorea nicht. Die sogenannten Regierungsschätzungen sind in Wahrheit zweifelhafte Schätzungen von Forschungsinstituten.

4. Todesfälle von Sexarbeiterinnen

Gut ist, dass das Feuer in Gunsan Erwähnung findet. Allerdings war dies kein isolierter Fall. Fünf Sexarbeiterinnen starben bereits bei einem ersten Feuer in Gunsan im Jahr 2000; 2001 kamen vier weitere Sexarbeiterinnen bei einem Feuer in Busan ums Leben; dann starben wie im Artikel erwähnt 14 weitere Sexarbeiterinnen bei einem zweiten Feuer in Gunsan. Durch diese Verkettung extremer Unglücksfälle gelang es Prostitutionsgegnerinnen danach, eine Verschärfung der Prostitutionsgesetzbegung durchzusetzen.

Fazit: Befriedigend

Alles in allem ist Fabian Kretschmers Artikel einer der besseren, aber insbesondere die teils sehr unpassende Wortwahl und der unnötige Fokus auf nicht belegte, nicht aktuelle und ungenau wiedergegebene Zahlen sind sehr zu bemängeln. Es gibt einige Anzeichen, die vermuten lassen, dass hier der Beitrag von Choe Sang Hun in der New York Times „recycled“ wurde, der im Vergleich sehr viel mehr Einblicke in die aktuelle Situation von Sexarbeiterinnen in Südkorea bot. So wäre besonders eine genauere Erklärung wünschenswert gewesen, für welche Rechte sich Sexarbeiterinnen in Südkorea engagieren, da dies auch in Hinsicht auf die aktuelle Debatte in Deutschland interessant ist. Zum anderen wäre es angebracht gewesen, das südkoreanische Prostitutionsgesetz genauer zu beleuchten, von dem Prostitutionsgegner*innen wiederholt behaupten, es ähnelte dem Schwedens, was eine glatte Lüge ist. In dem Zusammenhang hätten weitere Einzelheiten über Menschenrechtsverletzungen bei Polizeirazzien in Südkoreas Rotlichtbezirken erwähnt werden können. Positiv zu erwähnen ist die gute Wahl des Titels, des begleitenden Fotos und der Bildunterschrift, und dass überhaupt über dieses Thema berichtet wird. Angesichts der üblichen Berichterstattung über Sexarbeit bzw. über Südkorea ist dies nämlich durchaus keine Selbstverständlichkeit.


The above are a few quick comments about Fabian Kretschmer’s article “Debate about prostitution in South Korea: Miss Kim is fighting for her job”. While overall, the article is informative and provides some of the key points of the current debate in South Korea, the terminology used is inept and a quick fact check reveals several inaccuracies and crucial omissions. As is often the case, Mr Kretschmer (or his editor) seem to have felt the need to include statistics, although no reliable data about sex work in South Korea is available, not even in the reports commissioned by the Ministry of Gender Equality and Family. Positive are the choice of title, photo and caption, all of which are by no means a matter of course, and the fact that a German newspaper reported at all about the ongoing constitutional review of South Korea’s Anti-Sex Trade Law.


More Rights For Victims of Human Trafficking

International Day of Protest to End Violence against Sex Workers. Photo: Marek Foeller

Global protest to end violence against sex workers. Photo: Marek Foeller. All Rights Reserved.

Interview with Heike Rabe, Policy Advisor at the German Institute for Human Rights (Deutsches Institut für Menschenrechte)

The UN calls for a global fight against human trafficking. In Germany, the focus lies on forced prostitution.* In an interview with tagesschau.de, lawyer Heike Rabe laments the lack of reliable data. She doesn’t think much of plans to tighten the prostitution law.

Heike Rabe, Policy Adviser at the German Institute for Human Rights. Photo: German Institute for Human Rights/S. Pietschmann“The truths that are broadcast by the media aren’t empirically verifiable truths. There is no evidence that Germany is the biggest brothel of Europe. There is no evidence that prostitutes are also always victims of human trafficking. And there is also no evidence that the Prostitution Act of 2002 is to blame for that. Fact is, however: the measures that are discussed with regards to the pending revision of that law curtail the rights of prostitutes. They include, for example, mandatory health checks.”

Click here to continue reading at Research Project Germany.


German Sex Worker Organisation BesD responds to Bundesrat Resolution about Prostitution Act Reform

Logo of the Trade Association Erotic and Sexual Services

Logo of the Trade Association Erotic and Sexual Services

In April, the Upper House of the German Parliament, the Bundesrat, passed a resolution calling for an objective debate and differentiated measures amid plans by the ruling coalition of Conservatives and Social Democrats to reform the German Prostitution Act of 2002 (ProstG). With kind permission of the author, Research Project Germany published an English translation of the response by the Trade Association Erotic and Sexual Services (BesD), a German sex worker organisation founded in October 2013.

Click here to continue reading at Research Project Germany.


Autonomy and Heteronomy in Sex Work

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Presentations at Humboldt University of Berlin

In March 2013, I had the pleasure of giving a presentation at a symposium at Humboldt University of Berlin. The presentation was titled “Sex Crime” or “Sexual Self-Determination”? and dealt with prostitution discourses in South Korea and their negative impacts on sex workers. This presentation was part of a session titled “Autonomy and Heteronomy in Sex Work”. The second presenter in this session was Ms. Noémi Katona who gave a presentation titled “Coercion, Money, and Intimacy: Hungarian Sex Workers and their Pimps/Boyfriends at Kurfürstenstraße”. In February 2014, podcasts of these and other presentations were made available by the organisers and the above video contains an updated version of my slides and combined it with the podcast. Click here to listen to Noémi Katona’s presentation and here to listen to our joint Q & A session. For all other podcasts, please click here. Please note that this video and all podcasts are available in German only and that their audio quality, on which we had no influence, is sadly below par.

“Human Trafficking in the 21st Century”

Despite heightened public attention to “human trafficking”, the definition of this phenomenon remains difficult and contested. On March 22nd and 23rd, 2013, the symposium “Hurt Lives – Denied Rights. Human Trafficking in the 21st Century” took place at Humboldt University Berlin. Next to academic and field experts, young researchers showcased their work in presentations and workshops. The symposium was sponsored by the Humboldt-Universitäts-Gesellschaft e.V. (Humboldt University‘s Association of Friends, Alumni and Sponsors).

Verletzte Leben - Verwehrte Rechte - Programme


Prostitution Law: No Increase in Forced Prostitution

Volker Beck (Photo by Mathias Schindler)“The assumption that liberal prostitution laws lead to an increase in human trafficking is refuted. On the contrary: ever since the liberalisation, there has been more police activity but notwithstanding, there are significantly less suspects, convicts and victims. That’s rather an indicator that the disentanglement of prostitution from criminal environments is increasingly successful.” – Volker Beck, MP

In early February, the German Greens submitted an enquiry to the federal government, concerning the impact of the German prostitution law on the trend of human trafficking. On February 22nd, the government issued a reply. The following are translated quotes. Below, you can download the enquiry and the answer of the federal government as pdf files. All documents are available in German only.

“In the year 2000, the National Situation Report about Trafficking in Human Beings registered altogether 926 victims. In the year 2011, there were 640. This equates to a decrease of just under 31 per cent. If one compares the figures of registered victims in 2003 [a year after the prostitution law was passed] and 2011, one sees a certifiable decline of just above 48 per cent.” It should be noted that this is despite “greater activities by the police”, a fact Volker Beck referred to in the above quote. [Page 7-8]

From a quantitative viewpoint, the risk potential of human trafficking for the purpose of sexual exploitation in Germany is “limited”. [Page 8]

“The annually compiled National Situation Report by the Federal Criminal Police Office (BKA) shows no significant increase of victims that would indicate an expansion of the phenomenon as a result of the prostitution law taking effect.” [Page 10]

The reply by the German government thus refutes the claim by Neumayer, Cho and Dreher that legalised prostitution increases human trafficking.

Please click here for the enquiry by Volker Beck (Cologne), Monika Lazar, Ekin Deligöz, Britta Haßelmann, Ingrid Hönlinger, Memet Kilic, Dr. Konstantin von Notz, Tabea Rößner, Arfst Wagner (Schleswig) and the faction Bündnis 90/Die Grünen.

Please click here for the reply by the federal government. I would like to express my sincere gratitude to the staff at Volker Beck’s office for immediately supplying me with this document.

You can view the full text of the German prostitution law (ProstG) on the website of the Federal Ministry of Family Affairs, Senior Citizens, Women and Youth.

Please click on the image below to access an article about the enquiry by the Central German Newspaper (English Translation via Google Translate).

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